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Die sieben Todsünden der Kommunikation

Der britische Rhetorikexperte Julian Treasure hat mit seinem Ted Talk einen Nerv getroffen: Fast 10 Millionen Klicks verzeichnete er im Dezember 2016.

Er beschreibt darin Gewohnheiten, die zu schlechter Kommunikation führen.

Er nennt sie „die sieben Todsünden des Sprechens“.

 

Er gibt uns damit einen Anknüpfungspunkt für die Selbstreflexion. Wie können wir bessere Gesprächspartner werden?

 

Die Gesprächstöter lauten:

1. Tratschen
2. Beurteilen
3. Negativität
4. Sich beschweren
5. Ausreden
6. Übertreiben, Ausschmücken
7. Dogmatismus

 
Ich habe die sieben Todsünden unter die Lupe genommen.

1. Tratschen

„Es fällt uns schwer, Leuten zuzuhören, die permanent schlecht über andere sprechen. Denn wir wissen: Früher oder später werden sie auch über uns schlecht reden.“ – Julian Treasure
 
Ich sehe das differenzierter. Aus meiner Sicht hören wir Menschen sogar gerne zu, die tratschen und schlecht über andere reden. Denn wir fühlen uns manchmal erleichtert, wenn wir wissen, dass auch andere Menschen Probleme haben. Das Interesse an Klatsch und Tratsch scheint tief im Menschen verankert zu sein. Andernfalls wären Klatschblätter und Reality-TV Sendungen nicht so beliebt.
 
Ich sehe es so: Wenn wir häufig schlecht über andere Reden, verspielen wir in unserem Bekanntenkreis Vertrauen. Man hört uns zu, möchte uns aber keine persönlichen Geschichten anvertrauen. Das schneidet uns von unseren Mitmenschen ab und macht uns einsam.

2. Beurteilen

„Es ist schwer, einer Person zuzuhören, wenn wir das Gefühl haben, beurteilt und für unzureichend befunden zu werden.“ – Julian Treasure
 
Kennst du das? Ich fühle mich gehemmt und unwohl, wenn andere Menschen mich während eines Gesprächs beurteilen. Deshalb empfinden viele Menschen mündliche Prüfungen und Vorstellungsgespräche als anstrengend. Angst vor den Urteilen anderer ist aus meiner Sicht auch der Nährboden, auf dem Lampenfieber wächst.

3. Negativität

„Es ist schwer, mit jemandem zu sprechen, der alles negativ sieht.“ – Julian Treasure
 
Für mich ist Negativität wie ein Virus, der sich von Mensch zu Mensch überträgt und die Welt zu einem schlechteren Ort macht. Dabei geht es nicht darum, unerfreuliche Umstände zu verschweigen und nur noch über gute Dinge zu sprechen.
Es geht um die innere Haltung. Für manche ist das Glas halb voll, für andere halb leer. Manche begeben sich in eine Opferrolle, andere begreifen ihre Probleme als Herausforderungen, die sie lösen können. Mir macht es keinen Spaß, Menschen zuzuhören, die in allem nur das Schlechte sehen.

4. Sich beschweren

„Beschweren ist Elend, das sich viral verbreitet.“ – Julian Treasure
 
Beklagen ist negativ, wenn es gegen Dinge gerichtet ist, die man nicht ändern kann. Das Wetter, die Zugverspätung oder die Schwiegereltern.
Beschweren kann aber auch etwas Gutes sein: Wenn es mit dem Ziel verbunden ist, etwas zu verbessern. Menschen, die gegen etwas demonstrieren, beschweren sich. Menschen, die nach Kauf eines schlechten Produkts ihr Geld zurück verlangen, beschweren sich. Ist Beschweren gut oder schlecht? Für mich ist das eine Frage der Perspektive.

5. Ausreden

„Es ist schwer, Menschen zuzuhören, die keine Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen.“ – Julian Treasure
 
Wir alle kennen Menschen, die es immer wieder schaffen, sich wie ein glatter Aal aus Situationen zu winden, die sie selber verschuldet haben. Ich versuche diese Menschen zu meiden wie ein Vampir das Tageslicht. Ich würde die Aussage von Treasure noch zuspitzen. Es ist nicht nur schwer, solchen Menschen zuzuhören – es ist schwer, solche Menschen zu mögen. Viele Menschen scheinen erst Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, wenn sie sich in die Ecke gedrängt fühlen und nicht mehr anders können.

6. Übertreiben

„Ausschmücken und Übertreibungen erniedrigen unsere Sprache.“ – Julian Treasure
 
Beim Übertreiben sieht Treasure ein sprachliches Problem. Wie können wir etwas wirklich Großartiges beschreiben, wenn wir vorher alles andere ebenfalls als großartig bezeichnet haben? Außerdem sieht er einen Punkt, an dem Übertreibungen zu Lügen werden.
 
Wenn ich an Übertreibungen denke, kommen mir Werbeslogans und Clickbait Überschriften in den Sinn. Auf Webseiten wie heftig.co machen viele Artikel den Eindruck, als könnten sie das Leben des Lesers verändern. Der Zaubertrank ist nur einen Klick entfernt! In der Werbung ist der Übergang zwischen Übertreibung und Manipulation oft fließend. Man denke an das sportliche Image der Milchschnitte.
 
Sofern die Grenzen zur Lüge nicht überschritten wird nehme ich Übertreibungen und Ausschmücken in Gesprächen nicht immer negativ wahr. Wer hört nicht gerne zu, wenn eine unterhaltsame Geschichte erzählt wird und dabei ein paar Übertreibungen im Spiel sind?

7. Dogmatismus

„Es ist schwer, Menschen zuzuhören, die ihre Meinungen als Tatsachen verkaufen.“ – Julian Treasure
 
Wenn Menschen dogmatisch sind, beharren sie auf ihren Standpunkt und lassen andere Meinungen an sich abtropfen. Nach meiner Erfahrung sind solche Menschen auch schlechte Zuhörer, da sie eigentlich gar nicht die Sicht der anderen Seite erfahren wollen. Was können wir tun, wenn wir uns in so einem Gespräch befinden? Einfach weggehen, da ein Meinungsaustausch ohnehin ins Leere führen würde.
 

Wie funktioniert gute Kommunikation?

Julian Treasure präsentiert in seinem Ted Talk seine vier Grundpfeiler guter Kommunikation. Merken kann man sich diese anhand des Wortes HAIL.
 
H (Honesty) – Ehrlichkeit – etwas klar, korrekt und deutlich sagen;
A (Authenticity) – Authentizität – einfach sich selbst sein;
I (Integrity) – Integrität – das tun, was man sagt und jemand sein, dem andere vertrauen können;
L (Love) – Liebe – anderen Menschen nur das Beste wünschen;

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