Drei Gründe, warum Pausen in Reden unverzichtbar sind

Ich habe es mehrmals erlebt – Redner nehmen sich vor, langsam zu sprechen und Pausen zu setzen. Doch im Eifer des Gefechts sprechen sie schnell und vergessen die Pausen. Der Grund: Nervosität.

Gerade Anfänger fühlen sich auf der Bühne unwohl und wollen den Vortrag möglichst schnell hinter sich bringen. Für Pausen fehlt ihnen der Mut.

Leider bleibt die Wirkung einer Rede ohne Pausen auf der Strecke. Denn: Pausen sind ein rhetorisches Stilmittel der Extraklasse.

 

„Das richtige Wort mag effektiv sein, aber kein Wort war jemals so effektiv wie eine richtig gesetzte Pause.“ Mark Twain

 

 

Warum hat Mark Twain recht?

 

1. Pausen erzeugen Spannung.

Pausen sind ein mächtiges Werkzeug, um in Vorträgen Spannung aufzubauen. Besonders beim Erzählen von Geschichten. Denn durch Pausen entfaltet sich die Dramaturgie.

Beispiel gefällig? Lese die folgende Geschichte laut vor. Etwa so, als ob du eine Wegbeschreibung vorlesen würdest. Ohne Emotionen, ohne nennenswerte Pausen zwischen den Sätzen.

„Sie ging in den Keller. Plötzlich hörte sie ein lautes Rascheln. Dann nahm sie wahr, wie sich die Kellertür langsam hinter ihr schloss. Sie wimmerte vor Angst. Dann bemerkte sie, dass ihr Neffe ihr einen Streich gespielt hatte.“

Lese jetzt dieselbe Geschichte mit Pausen laut vor. Diese sollten mindestens 2 Sekunden lang sein.

„Sie ging in den Keller {Pause}. Plötzlich hörte sie ein lautes Rascheln {Pause}. Dann nahm sie wahr, wie sich die Kellertür langsam hinter ihr schloss. {Pause} Sie wimmerte vor Angst {Pause}. Dann bemerkte sie {Pause}, dass ihr Neffe ihr einen Streich gespielt hatte.“

Merkst du, wie die Spannung in dieser Geschichte durch Pausen verstärkt wird?

Übrigens sind Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit weitere Hebel, um die Dramaturgie zu steigern. Wenn du an einer dramatischen Stelle langsamer wirst und gleichzeitig leiser sprichst – dann steigt die Spannung ins Unermessliche.

Übrigens kann es sehr wirkungsvoll sein, wichtige Worte gedehnt zu sprechen. Um auf das Beispiel zurückzukommen: „Dann nahm sie wahr, wie sich die Kellertür langsam hinter ihr schlooosssss.“

2. Pausen ermöglichen den Zuhörern, Informationen zu verarbeiten.

Zwischen einer Rede und einem Text besteht ein wesentlicher Unterschied. Bei einem Text kann der Leser eine Passage nochmal lesen, wenn er sie nicht verstanden hat. Und er kann sich Zeit nehmen, um Informationen sacken zu lassen.

Bei einer Rede hat der Zuhörer keine Möglichkeit, das gesprochene Wort erneut zu hören. Wenn er eine wichtige Information nicht verstanden hat, schaltet er wahrscheinlich für den Rest der Rede ab. Denn er kann dem Vortrag nicht mehr folgen.

Es ist daher ratsam, nach längeren Abschnitten kurz zu pausieren und die wichtigsten Punkte zu wiederholen. In PowerPoint Präsentation bieten sich sogenannte „Bumper-Slides“ als visuelle Puffer zwischen längeren Abschnitten an.

Auch nach besonders zentralen Informationen oder Argumenten sollten Pausen gesetzt werden. So machst du dem Publikum klar, dass diese Aussagen wichtig sind. Und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich deine Botschaften im Unterbewusstsein der Zuhörer einbrennen.

3. Pausen erlauben dir, mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen.

Die Vorstellung, den Blick durch alle Reihen des Publikums schweifen zu lassen, jagt vielen Rednern einen Schauer über den Rücken.

Doch dieser intensive Kontakt mit dem Publikum lohnt sich. Er lässt die Energie des Redners in die Höhe schnellen und führt dazu, dass sich jeder einzelne im Publikum angesprochen fühlt.

Was braucht man, um in dieser Form Blickkontakt aufnehmen zu können? Eine Pause! Der Blickkontakt kann schon am Anfang der Rede erfolgen. Schaue intensiv und wortlos in die Runde, bevor du mit der Rede beginnst. Vielleicht bemerkst du, wie es dabei mucksmäuschenstill wird.

2 Gedanken zu „Drei Gründe, warum Pausen in Reden unverzichtbar sind

  1. Hallo Alex,

    sehr guter und wichtiger Artikel!

    Ich habe noch einen interessanten Zusatz:
    Wenn Du Pausen machst, gibst Du dem anderen das Gefühl und die Sicherheit, dass Du Dir über das was Du sagst auch selber Gedanken machst. Das wirkt überzeugend und weckt das Interesse auf das, was von Dir im Weiteren noch kommt.

    Beste Grüße
    Andrej

  2. Hallo Andrej,

    danke für den hilfreichen Zusatz. Pausen können auf so vielen Ebenen eine Rede aufwerten! Schade, dass sie so oft vergessen werden.

    Viele Grüße
    Alex

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *