Eine Rede halten: Die zehn besten Tipps für Anfänger

Die erste Rede fühlt sich so an wie der erste Besuch beim Zahnarzt. Man ist nervös und weiß nicht genau, was passieren wird. Doch so wie Zahnarztbesuche mit der Zeit zur Routine werden, fällt auch das Redenhalten durch regelmäßige Übung viel leichter.
 
Der Top-Speaker Brian Tracy hat in diesem Buch eine Empfehlung für alle Redner, die das nächste Level erreichen wollen: „Rede langsam, mache Pausen und lächele zwischen Punkten und Sätzen.“ Das klingt doch machbar, oder? 

Redenhalten ist keine Atomphysik – wenn du einige grundlegende Dinge beherrscht, hast du bereits das Fundament für deinen Erfolg gelegt. Im Folgenden lernst du, welche das sind.

Setze Pausen

Manche Redner klingen wie ein Güterzug, der an allen Bahnhöfen vorbeirast.
 
Redner haben Angst, dass eine unheimliche Stille entsteht, wenn sie pausieren. Dabei sind Pausen für das Publikum ein Segen. Sie geben ihm die Möglichkeit, das Gesagte zu verarbeiten und erzeugen Spannung. Brian Tracy sagt, dass nichts anderes die Aufmerksamkeit der Zuhörer so weckt wie eine Pause.
 
Sei mutig und traue dich, ein paar Augenblicke nichts zu sagen. Das gilt bereits für den Anfang deiner Rede: Verharre für ein paar Momente in Schweigen, nachdem du die Bühne betreten hast. Lasse deinen Blick durch den Raum schweifen und warte, bis alle Zuhörer zur Ruhe gekommen sind. Erst dann fängst du zu sprechen an. So zeigst du dem Publikum, dass du dich in deiner Rolle als Redner wohlfühlst.
 
Nutze Pausen, um dem Publikum zu signalisieren, dass du einen Punkt oder einen Satz abgeschlossen hast. Wenn du ohne Unterbrechung weiterredest, kann es passieren, dass dein Publikum dir nicht mehr folgen kann und deine Rede als unstrukturiert wahrnimmt. Die meisten Menschen können nur drei Sätze in Folge verarbeiten. Nach dem dritten Satz brauchen sie eine kurze Pause, um die Informationen zu verdauen.
 
Durch Pausen kannst du außerdem die Wichtigkeit von Aussagen hervorheben. Wenn du einen Satz abschließt und danach kurz pausierst, erhöhst du den wahrgenommenen Wert deiner Aussage.
 
Lese auch den Beitrag „Warum Pausen in Reden unverzichtbar sind“.

Lächele

Wenn du mit düsterer Miene vor deinem Publikum stehst, fühlen sich deine Zuhörer an ihren strengen Mathelehrer aus der fünften Klasse erinnert. Deine Versuche, das Publikum von deinen Ansichten zu überzeugen, werden unter diesen Bedingungen scheitern.
 
Wenn du dem Publikum stattdessen mit einem Lächeln begegnest, signalisierst du Herzlichkeit und Akzeptanz. Das Publikum wird sich für deine Botschaft öffnen und deiner Rede entspannt folgen, wie Brian Tracy in Speak to Win treffend beschreibt.
 
Jetzt fragst du dich vielleicht: „Was mache ich, wenn ich vor meinem Vortrag nervös bin und mir nicht zum Lächeln zu Mute ist?“ Versuche nicht, dein Publikum mit einem aufgesetzten Lächeln zu überlisten. Menschen erkennen unbewusst, ob jemand aufrichtig lächelt oder nicht.
 
Verändere stattdessen die Einstellung, mit der du an den Vortrag herangehst. Stelle dir vor, dass du einen Vortrag vor guten Freunden hältst. Wenn du Vorfreude empfindest und den Auftritt genießt, wirst du beim Publikum gut ankommen.
 
Eine weitere Möglichkeit, um deine innere Haltung zu verbessern, ist das sogenannte Power Posing. Ich beschreibe diese Technik in dem Beitrag „Power Posing gegen Lampenfieber“.

Halte Blickkontakt

Wenn dein Blickkontakt stark ist, fühlen sich deine Zuhörer angesprochen und folgen dir gebannt. Du wirkst auf das Publikum selbstsicher, überzeugend und charismatisch – wie ein echter Top-Speaker.
 
Wenn du dagegen auf den Boden, auf eine Wand oder auf eine Powerpoint-Präsentation starrst, wirkst du unglaubwürdig, unsicher und inkompetent.
 
Es gibt einen Königsweg, um Blickkontakt aufzubauen: Schaue einzelne Personen aus dem Publikum für drei bis fünf Sekunden an, als ob du ein privates Gespräch mit ihnen führst. Du vermittelst der angeschauten Person damit das Gefühl, deine ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen. Dich als Redner wird es entspannen, weil du nicht mehr das Gefühl hast, vor einem großen Publikum zu sprechen.
 
Wenn die Größe des Publikums überschaubar ist, kannst du dir das Ziel setzen, mit jeder Person aus dem Publikum Blickkontakt aufzunehmen. Wenn jemand deinen Blickkontakt nicht erwidert – gehe einfach zur nächsten Person über.
 
Du kannst Blickkontakt auch als Instrument nutzen, um Zuhörer zurückzuholen, die nicht mehr bei der Sache sind. Schaue sie einfach für zwei bis drei Sekunden intensiv an, möglichst mit einem Lächeln.
 
Denke zurück an deine Schulzeit – auch dort hat ein intensiver Blick deiner Lehrerin träumende Schüler zurück in die Unterrichtsstunde geholt.

Zeige Emotionen

Gefühle verbinden. Erlaube dem Publikum, an deinen Emotionen teilzuhaben.
 
Die Harvard-Professorin Amy Cuddy bricht am Ende ihres millionenfach geklickten TED Talks über Power Posing in Tränen aus. Selbst wenn man sich ihren Auftritt auf einem Laptop anschaut, ist man berührt und möchte sich innerlich verneigen.
 
Die Inspirationskraft einen Vortrags ist immer davon abhängig, in welchem Maße der Redner bereit ist, sich zu öffnen.
 
Auf einem Rhetorik-Seminar, das ich besuchte, hielt ein junger Mann namens Henry seine erste Rede. Er wählte ein sehr persönliches Thema: Er sprach von seiner ersten großen Liebe und wie diese tragisch endete.
 
Auch wenn er stotterte und die Rede etwas unstrukturiert war, hörten ihm alle Teilnehmer wie gebannt zu. Er verschaffte sich großen Respekt, da er sich öffnete und Emotionen zeigte.
 
Versuche, jeden Vortrag mit einer persönlichen Geschichte zu schmücken. Das Publikum wird es dir mit seiner ungeteilter Aufmerksamkeit danken.

Gehe mit Missgeschicken locker um

Kein Mensch ist perfekt. Auch auf einer Bühne ist man vor Fehltritten nicht gefeit. Man kann stolpern, sich verhaspeln oder einen Blackout haben. Manchmal spielt trotz sorgfältiger Vorbereitung die Technik nicht mit.
 
Wenn dir während deines Vortrags ein Missgeschick unterlaufen sollte, lächele es einfach weg. Das Publikum wird kleinen Pannen keine große Bedeutung zumessen, wenn du es auch nicht tust.
 
Wenn du sonst einen professionellen und gut vorbereiteten Eindruck machst, kann ein Missgeschick deine Sympathiewerte sogar erhöhen, denn es lässt dich menschlich und nahbar erscheinen.

Hole dir deinen Applaus ab

Als ich Schüler war, habe ich am Ende eines Referats die Bühne immer so schnell wie ein Pfeil verlassen. Der Applaus hallte noch nach, während ich zu meinem Platz eilte. Die Vorstellung, vorne zu stehen und den Applaus bewusst anzunehmen, bereitete mir Unbehagen. Ich maß meinen letzten Momenten vor dem Publikum auch keine große Bedeutung bei.
 
Heute betrachte ich den abschließenden Applaus mit anderen Augen. Ich sehe ihn als integralen Bestandteil meiner Rede. Ich nehme den Applaus bewusst an, lächele, und halte dabei Blickkontakt mit dem Publikum.
 
Wenn du die Bühne schnell verlässt, entlarvst du dich selber als Anfänger. Bleibst du jedoch auf der Bühne stehen und nimmst den Applaus selbstbewusst entgegen, wirkst du selbstbewusst und routiniert. Vergebe nicht die letzte Chance auf einen guten Eindruck.

Stehe wie eine Eiche

Eines Vorweg: Der perfekte Redner nutzt den gesamten Raum. Er ist nicht nur in der Mitte der Bühne zu finden, sondern gelegentlich auch an den Seiten. Sein Auftritt ist dynamisch, ohne dabei gewollt zu wirken. Dieses Idealbild ist allerdings keine Voraussetzung für eine erfolgreiche Rede und für Anfänger nur schwer umsetzbar.
 
Ein fester, gleichmäßiger Stand kann ebenfalls positiv auf dein Publikum wirken.
 
Vermeide unkoordiniertes Vor- und Zurückgehen. Es vermittelt dem Publikum den Eindruck, dass du aufgeregt bist. Ich habe diese nervösen Schritte bei unerfahrenen Rednern des Öfteren beobachtet. Sie wollen sich um jeden Preis bewegen, um nicht statisch zu wirken.
 
Manche Redner versuchen, wie Steve Jobs auf der Bühne hin- und herzuschreiten. Sie wollen damit dynamisch und agil wirken. Häufig wirken sie jedoch nicht agil, sondern zerstreut.
 
In den meisten Fällen sind Redner gut beraten, am selben Ort stehenzubleiben und das Publikum mit intensivem Blickkontakt und einer langsamen und gut verständlichen Stimme zu gewinnen.

Lasse dich durch Zwischenrufe nicht verunsichern

Auf Zwischenrufe kann wohl jeder Redner gut verzichten. Doch leider ist es unvermeidlich, dass gelegentlich unangenehme Menschen im Publikum sitzen und ihre Meinung ungefragt kundtun. Wie geht man am besten damit um?
 
Die wichtigste Regel: Lasse dich auf keinen Fall auf ungewollte Diskussionen ein. Eine Rede ist ein Führungsinstrument. Wenn du dich aus dem Konzept bringen lässt, untergräbst du deine eigene Autorität und hast nur geringe Chancen, das Publikum von deinen Standpunkten zu überzeugen.
 
Du hast mehrere Optionen für den Umgang mit Zwischenrufen. Einen einzigen Zwischenruf kannst du ignorieren. Tue einfach so, als ob du nichts gehört hast.
 
Du kannst dem Störer selbstverständlich auch sagen, dass du seine Frage im Anschluss an die Rede in einem persönlichen Gespräch beantwortest. Vielleicht kannst du sogar auf eine Fragerunde verweisen, die im Anschluss an deine Rede stattfindet. Wenn nichts hilft und ein Gast unentwegt stört – bitte den Veranstalter darum, ihn rauszuschmeißen.

Gebe Verantwortung ab

Eine gewisse Aufregung gibt Rednern Energie und macht sie stärker. Wenn deine Redeangst jedoch zu stark ist und du wie ein scheues Reh auf der Bühne stehst, machst du keinen guten Eindruck. In diesem Beitrag lernst du, wie Lampenfieber entsteht und wie du damit umgehen kannst.
 
Es gibt eine ganz einfache Lösung, wie du dein Lampenfieber reduzieren kannst. Gib Verantwortung ab! Wenn du dich sorgfältig vorbereitet hast, ausgeschlafen bist und rechtzeitig am Veranstaltungsort erschienen bist, hast du alles getan, was in deiner Macht steht. Gebe während deines Auftritts dein Bestes – und gebe die Verantwortung für das Gelingen ein stückweit ab. An wen kannst du sie abgeben?
 
An Gott, das Schicksal, das Universum – du entscheidest! Wenn du mit dieser Einstellung an Vorträge herangehst, bist du viel entspannter. In meinem Fitnessstudio hing ein großer Banner mit einem Zitat von Dirk Nowitzki: „Wenn du alles gegeben hast, kannst du dir nichts vorwerfen.“ Besser kann man es nicht sagen.

Nutze das Potenzial deiner Stimme

Was für den Pianisten die Tasten sind, ist für den Redner die Stimme. Klicke auf diesen Link zu meinem Beitrag „Tipps für den Gebrauch deiner Stimme“ um mehr zu erfahren.

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