Rede vor einem amerikanischen Publikum halten: So gelingt’s

Heutzutage arbeiten die meisten Firmen in einem internationalen Umfeld. Deshalb sind Englischkenntnisse für viele Jobs Voraussetzung und Auslandsreisen an der Tagesordnung.
 
Irgendwann kommt der Moment, wo man eine Rede vor einem englischsprachigen Publikum halten muss. Bei ungeübten Rednern kann diese Vorstellung zu mittelschweren Angstzuständen führen.
 
Für viele Menschen ist das Präsentieren auf Englisch mit großer Unsicherheit verbunden. Neben der sprachlichen Barriere bezieht sich diese Unsicherheit vor allem auf kulturelle Gepflogenheiten. Wie gelingt eine Präsentation im englischsprachigen Raum? Was muss man beachten?
 
Mit „englischsprachigem Raum“ meine ich neben den Vereinigten Staaten auch andere englischsprachige Länder wie Australien, Neuseeland oder Großbritannien.

Im Folgenden erfährst du, was du beachten musst, wenn du einen Vortrag vor einem amerikanischen Publikum hältst.

1. Ein guter Start ist die halbe Miete

Deutsche Redner legen häufig keinen großen Wert auf die Einleitung. Bei einem englischsprachigen Publikum kann das fatal sein. Für sie ist die Einleitung der vielleicht wichtigste Abschnitt des Vortrags.
 
Die Einleitung hat dabei zwei Funktionen.
 
Zum einen soll sie Lust auf den weiteren Vortrag wecken und eine gute Atmosphäre schaffen. Deshalb erzählen englischsprachige Redner in der Einleitung gerne persönliche Geschichten (siehe Punkt 4) oder machen dem Publikum Komplimente.
 
Zum anderen ist die Einleitung der „Fahrplan“ für den weiteren Vortrag, wie Amerikanistik-Professor Mario Klarer in seinem Buch Präsentieren auf Englisch beschreibt. Amerikaner erwarten, dass der Redner den Ablauf seiner Rede und die Hauptpunkte vorstellt.
 
Empfehlung: Lasse dir eine Einleitung einfallen, die eine positive Atmosphäre schafft und das Publikum auf den weiteren Vortrag vorbereitet. Das gilt selbstverständlich für jedes Publikum – vor amerikanischen Zuhörern ist dies aber besonders wichtig. Suche gezielt nach Möglichkeiten, um dem Publikum Anerkennung zu zollen.

2. Praxis zählt mehr als Theorie

Deutsche Redner glänzen gerne mit Ihrem Wissen und ordnen praktische Beispiele der Theorie unter.
In der angelsächsischen Welt ist es genau umgekehrt. Erfolgsstorys und praktische Beispiele sind viel wichtiger als Theorie, die eher beiläufig in den Vortrag eingeflochten wird.
 
Empfehlung: Dein Vortrag wird bei einem englischsprachigen Publikum besser ankommen, wenn du die Theorie zurückfährst und mehr praktische Beispiele bringst. Ich empfehle ein Viertel Theorie und drei Viertel Praxis.

3. Wiederholungen sind erwünscht

Bei deutschen Vorträgen gibt es manchmal keine Gnade – wenn man einmal nicht aufgepasst hat, verliert man den Faden und versteht nur noch Bahnhof.
Das liegt daran, dass im Hauptteil die wichtigsten Punkte nicht wiederholt werden.
 
Nicht so bei amerikanischen Rednern: Bei ihnen folgt im Hauptteil in der Regel nach jedem wichtigen Punkt eine kurze Zusammenfassung.
 
Diese Unterschiede basieren laut Professor Klarer auf unterschiedlichen Wahrnehmungen. Ein deutsches Publikum kann es als Beleidigung seiner Intelligenz auffassen, wenn Dinge häufig wiederholt werden. „Hält mich der Redner etwa für blöd?“
 
Im englischsprachigen Raum ist es hingegen wichtig, Unterpunkte kurz zusammenzufassen. Wenn der Redner schnell durch seinen Vortrag rattert, ohne wichtige Punkte zu wiederholen, können sich die Zuhörer vernachlässigt und missachtet fühlen.
 
Empfehlung: Wenn du vor Amerikanern einen Vortrag hältst: Geize nicht mit Wiederholungen. Wenn du im Hauptteil einen Unterpunkt abgeschlossen hast, fasse ihn kurz zusammen. (Einzige Ausnahme ist der letzte Unterpunkt im Hauptteil, den du im Schlussteil zusammenfassen solltest).

4. Persönliche Geschichten sind Trumpf

Viele deutsche Redner meiden persönliche Geschichten wie die Fledermaus das Tageslicht. Sie finden es unangemessen, Dinge aus ihrem Privatleben preiszugeben.
 
Amerikanern hingegen ist es wichtig, von Anfang an eine gewisse Nähe zum Publikum aufzubauen. Deshalb beginnen sie ihre Vorträge häufig mit einer persönlichen Geschichte und flechten einige Anekdoten in die Rede ein.
 
Durch Geschichten wollen sie das Publikum unterhalten. Unterhaltung spielt bei ihnen eine noch größere Rolle als die Informationsvermittlung.
 
Empfehlung: Ein Vortrag, bei dem der Redner nichts von sich preisgibt, wäre für ein angelsächsisches Publikum sehr gewöhnungsbedürftig. Scheue dich nicht, die ein oder andere persönliche Geschichte in deinen Vortrag einzubauen. In diesem Beitrag lernst du die wichtigsten Grundregeln des Storytellings.

5. Case-Study: Auf einem Seminar von Brian Tracy

Kurze Zeit, nachdem ich die Idee für diesen Beitrag hatte, habe ich an einem eintägigen Seminar von Brian Tracy in Prag teilgenommen. Meine Notizen habe ich bereits in diesem Beitrag veröffentlicht.
 
Tracy zählt zu den weltweit bekanntesten Verkaufstrainern und ist Autor von mehreren Bestsellern zu Themen wie Zeitmanagement, Präsentation und Motivation.
 
Er ist der Prototyp eines amerikanischen Top-Speakers. Deshalb lohnt es sich, seinen Auftritt genauer unter die Lupe zu nehmen.

  • Zum Anfang dankt er dem Publikum für seine Anwesenheit („danke, dass ihr heute da seid“) und findet immer wieder Wege, um den Zuhörern Respekt zu zollen;
  • Er legt großen Wert darauf, immer darauf hinzuweisen, welchen Nutzen eine bestimmte Informationen für das Publikum hat; er erwartet nicht, dass die Zuhörer ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen;
  • Durch gezielte Fragen lädt er die Zuhörer dazu ein, sich für große Visionen zu öffnen („stellt euch vor, ihr würdet euer Einkommen verdoppeln“);
  • Er garniert seinen Vortrag mit zahlreichen Erfolgsgeschichten von seinen Kunden oder bekannten US-Unternehmen; beispielsweise beschreibt er, wie sich IBM und Apple von beinahe-Insolvenzen zu außergewöhnlich erfolgreichen Unternehmen gewandelt haben;
  • Er erzählt persönliche Geschichten; Tracy war auf Grund einer Fußverletzung während des Vortrags gehandicapt; er ließ die Zuhörer wissen, wie er sich die Verletzung zugezogen hatte und wann die Operation ansteht;
  • Er erkundigt sich nach dem Befinden des Publikums („How are you feeling now?“);
  • Er nutzt Geschichten oder Beispiele, um wichtige Punkte zu untermauern; Zitate verwendet er dagegen nur selten;

Ein Gedanke zu „Rede vor einem amerikanischen Publikum halten: So gelingt’s

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