Rhetorische Mittel: die Würzmischung für deine Rede

Rhetorische Stilmittel: die Kirsche auf der Sahnetorte

Erinnerst Du dich noch an den Deutschunterricht in der Schule?

 

Das Aufspüren rhetorischer Stilmittel in schwierigen Texten hat mir damals genauso viel Spaß gemacht, wie nach einer durchzechten Partynacht aufzustehen. Für mich war das Thema so trocken wie uraltes Knäckebrot.
 
Sprachliche Mittel gehörten für mich in die Kategorie „unnützes Wissen“, genauso wie Latein oder Evolutionsbiologie.
 
Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich einmal einen Beitrag über rhetorische Figuren schreibe.


Doch meine Erfahrungen als Redner haben mir gezeigt – rhetorische Mittel sind in Vorträgen ein sehr scharfes Schwert. Mit ihnen kannst du aus deiner Rede ein kleines Kunstwerk kreieren. Nicht umsonst werden rhetorische Figuren auch „Redenschmuck“ genannt.

Warum solltest du rhetorische Mittel verwenden?

Eine gute Rede ist wie eine Sinfonie – sie ist vielseitig und löst im Publikum ein buntes Spektrum an Emotionen aus. Rhetorische Figuren verleihen einer Rede das gewisse „Etwas“, wie das Geigensolo einem Klassik-Konzert. Dabei gilt: weniger ist mehr. Lieber ein paar rhetorische Figuren, die richtig zünden, als viele mittelmäßige.

 

Rhetorische Stilmittel ermöglichen dir:

  • gleich zu Beginn der Rede die Aufmerksamkeit des Publikums zu wecken;
  • einen wichtigen Punkt zu betonen;
  • das Publikum von deinem Standpunkt zu überzeugen;
  • Bilder im Kopf der Zuhörer zu erzeugen;
  • das Publikum zum Lachen zu bringen;
  • einen komplizierten Sachverhalt verständlich zu machen;
  • die eigene Kreativität zur Schau zu stellen;

Die Kenntnis über rhetorische Figuren ermöglicht dir außerdem, Texte besser zu entschlüsseln und Manipulationsversuche anderer Redner aufzudecken.

 

Es gibt also viele Gründe, rhetorische Figuren aus der Kategorie „unnützes Wissen“ rauszuholen.

Eine Reise in die antike Rhetorik, wo es Tropen und Figuren gibt

Rhetorische Stilmittel lassen sich Tropen und Figuren unterteilen. Jetzt fragst du dich vielleicht: Warum sollte man durch diese Unterscheidung ein ohnehin schon kompliziertes Thema noch komplizierter machen? Weil es dir hilft, den Aufbau und die Logik rhetorischer Figuren besser zu verstehen.
 
Was genau sind Tropen und Figuren?

Tropen

Tropen (Einzahl: Tropus) sind rhetorische Mittel, die einen Begriff durch einen Ausdruck ersetzen, der eigentlich etwas anderes bedeutet.

 

Das Wort ist vom lateinischen Begriff „Tropoi“ abgeleitet, der wörtlich übersetzt „Wendungen“ bedeutet. Laut dem Germanistikprofessor Heldmann erfolgt die Wendung vom ursprünglichen Wortinhalt zu einem anderen Wortinhalt, das heißt, unter einem Wort ist etwas anderes zu verstehen als sein eigentlicher Inhalt.

 

Es gibt verschiedene Arten von Tropen. Wir können danach unterscheiden, wie nahe der Tropus der Bedeutung des Begriffs kommt, den er ersetzt. Die Metonymie ist beispielsweise ein Nachbarschaftstropus, da das eingesetzte Wort aus dem Bedeutungsumfeld des Ursprungswortes stammt.

 

Tokio rief nach einem Erdbeben den Notstand aus. {Metonymie}

 

Tokio steht hierbei für die japanische Regierung, die in Tokio ihren Sitz hat. Tokio stammt also aus dem Inhaltsbereich des ersetzten Begriffs.

 

Wenn ein Tropus weit weg von der Bedeutung des Begriffs liegt, den er ersetzt, sprechen wir von einem Sprungtropus. Ein bekanntes Beispiel ist die Metapher:

 

Der Erfolg von gecasteten Bands ist meistens nur ein Strohfeuer.

 

Strohfeuer steht für etwas, das sich schnell verbreitet, aber keine Ausdauer hat. Wie brennendes Stroh, das schnell, aber nicht lange brennt. Übertragen auf gecastete Bands: Sie haben schnellen Erfolg, der nicht von Dauer ist.

 

Gibt es einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Strohfeuer und gecasteten Bands? Wohl kaum. Die Bedeutung liegt ausschließlich im übertragenen Sinne. Deshalb handelt es sich um einen Sprungtropus (Bedeutungssprung).

Figuren

Bei rhetorischen Figuren wird die Bedeutung von Begriffen nicht verändert. Die Veränderung erfolgt meist im Satzbau, also auf der sogenannten syntaktischen Strukturebene.

 

Wir können zwei Formen von Figuren unterscheiden: phonologische Figuren, die ihre Wirkung durch die lautliche Gestalt entfalten und syntaktische Figuren, deren Wirkung aus einer besonderen Stellung der Wörter im Satz resultiert.

 

Doch alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit! (Nietzsche : Also sprach Zarathustra)

 

Die Bedeutung dieses Satzes wird durch die Wiederholung von Ewigkeit und dem Adjektiv tiefe verstärkt. Diese rhetorische Figur ist eine Anapher. Eine Definition dieser Figur findest du in der Übersicht.

 

Doch frisch und fröhlich war mein Mut (…). (Goethe: Willkommen und Abschied)

 

Goethe hat in diesem Vers zwei Adjektive gewählt, die mit demselben Buchstaben beginnen. Er gibt dem Satz mit diesem Stilmittel – eine Alliteration – einen besonderen Klang.

 

Rhetorische Mittel im Überblick

Rhetorische Mittel gehören in den Werkzeugkoffer eines jeden Redners. Ich stelle einige der nützlichsten rhetorischen Werkzeuge vor:

Allegorie

Rhetorische Figuren sollen Bilder im Kopf der Zuhörer erzeugen – und dafür eignet sich die Allegorie. Wie unten beschrieben, lässt sie sich nicht glasklar von der Metapher und der Personifikation abgrenzen.

 

Definition:

Eine Allegorie tritt in zwei Varianten auf. Zum einen stellt sie etwas Abstraktes durch etwas Konkretes dar.

 

Ein Beispiel ist „der Sensenmann“ für Tod. Schau dir ein Bild an und du wirst sehen, dass er Symbole verkörpert, die den Tod darstellen. Zum Beispiel ist er als Gerippe dargestellt und trägt einen schwarzen Mantel. Außerdem ist die Sense ein Instrument, mit dem man töten kann. Eine Allegorie verbindet immer Bildhaftigkeit mit Symbolik.

 

Zum anderen sprechen wir von einer Allegorie, wenn in einem Text Bilder benutzt werden, die für etwas anderes, übergeordnetes stehen. Eine klassische Allegorie sind Fabeln: Bildreiche Tiergeschichten sollen Menschen gutes Verhalten lehren.

 

Es handelt sich auch um eine Allegorie, wenn mehrere Metaphern aus demselben Vorstellungsbereich miteinander verknüpft werden. So zum Beispiel aus der Schifffahrt: ‚der Lotse geht von Bord‘. Es handelt sich um eine Allegorie, wenn diese Formulierung in einem anderen Zusammenhang benutzt wird, beispielsweise wenn eine angesehene Führungskraft ein Unternehmen verlässt.

 

Funktion:

Mit Allegorien kannst du abstrakte Dinge bildhaft darstellen. Somit kann dir dein Publikum besser folgen.

 

Beispiele:

  • den Sensenmann für Tod
  • Justitia mit verbunden Augen für Gerechtigkeit
  • Amor für Liebe (Hat Pfeil und Bogen in der Hand, zeigt damit, dass einen die Liebe plötzlich und unerwartet trifft. Hat Engelsflügel, um die Göttlichkeit der Liebe zu symbolisieren. Ist gleichzeitig als Kind dargestellt, um die Unschuld echter Liebe zu symbolisieren.)

 

Verwandte rhetorische Stilmittel:

Die Allegorie stellte mich als Schüler vor ein Rätsel. Was zum Teufel ist der Unterschied zur Metapher? Aus meiner Sicht ist jede Allegorie gleichzeitig eine Metapher – da sie etwas bildlich darstellt. Sprachwissenschaftler sind sich in dieser Frage allerdings uneinig.

Manche grenzen die Allegorie von der Metapher ab, andere sehen die Allegorie als eine Metapher. Das obige Beispiel des Sensenmanns zeigt: Wir können die Allegorie außerdem nicht immer von der Personifikation abgrenzen.

 

Wenn du dich tiefer mit Allegorien beschäftigen willst, empfehle ich dir diesen Beitrag.

Alliteration

„Veni, vedi, vici“! Diese drei Worte Julius Cäsars sind fast jedem bekannt. Und sie verkörpern die rhetorische Figur Alliteration.

 

Definition:

Es ist einfach, sich eine Alliteration auszudenken: Du lässt aufeinander folgende Worte mit demselben Klang beginnen, zum Beispiel indem du Buchstaben wiederholst. Entscheidend ist bei einer Alliteration, dass diese Buchstaben gleich klingen. Wenn der Klang identisch ist, kann diese Figur auch mit verschiedenen Buchstaben gebildet werden:

 

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“.

 

Funktion:

Du erzeugst im Kopf deiner Zuhörer einen eindringlichen Klang. Dieser hilft ihnen, sich das Gesagte zu merken. Denke zurück an „Veni, vedi, vici!“: Warum sind diese Worte Cäsars uns bis heute im Gedächtnis geblieben?

Mit einer Alliteration ist es außerdem möglich, Dramatik oder Ironie zu erzeugen.

 

Beispiele:

Wie die folgenden Beispiele zeigen, müssen die Worte mit gleichen Anfangsbuchstaben nicht unmittelbar aufeinanderfolgen:

 

„Durch Feld und Flur fahren.“

 

„Mit Kind und Kegel verreisen.“

 

Durch dick und dünn gehen.“

 

Komm Kühle, komm küsse den Kummer.“ (Clemens Bretano)

 

Verwandte rhetorische Stilmittel:

 

Ähnliche Effekte lassen sich mit der Anapher erzielen. Bei einer Anapher werden jedoch ganze Wörter wiederholt und nicht nur Anfangsbuchstaben.

Anapher

Die Anapher ist wie die Alliteration eine rhetorische Figur, deren Anwendung einfach ist.

Sie begegnet uns fast täglich in Gesprächen – nur achten wir wohl nie darauf.

 

Definition:

Anapher bedeutet „Wiederaufnahme“. Das Prinzip ist simpel: Du beginnst mehrere Sätze oder Satzteile mit dem gleichen Wort oder einem Wort, das dieselbe Bedeutung hat.

 

Funktion:

Die Wortwiederholung bewirkt, dass sich das Publikum einen Punkt besser merken kann. Außerdem kann durch eine Anapher eine Aussage verstärkt werden.

 

Beispiele:

Der Gefangene hatte nichts geklaut, der Gefangene hatte niemanden geschlagen und der Gefangene hatte niemanden getötet.

Ich rede gerne, ich rede viel und ich rede laut.

 

Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ (Werbung der Sparkasse)

 

„O Täler weit, o Höhen, o schöner, grüner Wald.“ (Joseph Freiherr von Eichendorff)

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Die Epipher ist das Spiegelbild der Anapher: Hier stehen die wiederholten Wörter am Ende des Satzes.

Klimax

Klimax ist uns im deutschen Sprachgebrauch vor allem als sexueller Höhepunkt geläufig. Im Altgriechischen heißt Klimax „Leiter“ oder „Steigerung“. Und das ist eine gute gedankliche Stütze, um die Klimax häufiger in deinen Reden zu verwenden.

 

Definition:

Bei der Klimax werden Wörter in einer Weise angeordnet, dass sich von Stufe zu Stufe die Intensität der Aussage erhöht. Die Steigerung erfolgt meist dreigliedrig, vom Kleinen zum Großen und vom Unwichtigen zum Wichtigen.

 

Funktion:

Durch diese rhetorische Figur kannst du in deiner Rede Dramatik erzeugen und einen zentralen Punkt betonen. Sie eignet sich gut, um das Publikum von deiner Botschaft zu überzeugen.

 

Beispiele:

„Zuerst war ich Tellerwäscher, dann Koch, und nun bin ich Küchenchef.

 

Cäsars „Veni, Vedi, Vici“ (ich kam, sah, und siegte) ist nicht nur eine Alliteration, sondern außerdem eine Klimax – eine Steigerung vom weniger Bedeutenden zum Bedeutenden.

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Bei der Antiklimax sinkt die Intensität der verwendeten Begriffe.
Beispiel:
„Um den Papst zirkulieren die Kardinäle. Und um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe. Und um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre.“ (Bertolt Brecht: Leben des Galilei)

Antithese

Der Begriff Antithese kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gegenbehauptung“ oder „Opposition“.

 

Definition:

In ihrer einfachsten Form ist die Antithese einfach eine Gegenbehauptung. Zu jeder These gibt es immer auch eine Antithese:

 

„Eine gute Rede muss lang sein“: These

„Eine gute Rede muss nicht lang sein“: Antithese

Darüber hinaus handelt es sich um eine Antithese, wenn Begriffe, Satzteile oder Sätze gegenüber gestellt werden, die einander widersprechen.

 

Funktion:

Dieses rhetorische Stilmittel ist ideal, um Argumente von Vorrednern oder Opponenten zu entkräften. Du benennst erst die These deines Gegners, um sie anschließend mit der Antithese zu entkräften.

Laut der Seite Wortwuchs kann durch die Antithese innere Zerrissenheit, Spannung oder ein starker Zwiespalt zum Ausdruck gebracht werden. Sie kann auch das Facettenreichtum eines Themas verdeutlichen.

Beispiele:

„Er ist die Unternehmensleiter hoch geklettert, um anschließend tief zu fallen.“

„Die Kunst ist lang, kurz unser Leben.“ (Goethe: Faust)

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Es kann schwierig sein, Oxymoron und Antithese voneinander zu trennen. Bei beiden werden gegensätzliche Begriffe gegenübergestellt. Ein entscheidender Unterschied lässt sich ausmachen: Das Oxymoron vergleicht einzelne Begriffe, während bei der Antithese in der Regel ganze Sätze und Wortgruppen gegenübergestellt werden (siehe Wortwuchs).

 

Antithese: „Der Einsatz war riesig, klein war der Gewinn.“

Oxymoron: „kleiner Riese“

Euphemismus

Eines der bekanntesten rhetorischen Stilmittel und im Deutschen als „Beschönigung“ geläufig. Das Wort Euphemismus kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Worte von guter Vorbedeutung“.

 

Der Euphemismus ist besonders beliebt bei Politikern, wirtschaftlichen Führungskräften und Bürokraten. Auch in unserem täglichen Sprachgebrauch ist der Euphemismus häufig anzutreffen – besonders, wenn es um Tabuthemen geht.

 

Definition:

Bei einem Euphemismus wird ein Begriff gewählt, der etwas beschönigt, verschleiert oder abmildert.

 

Funktion:

Man kann Euphemismen mit guter oder schlechter Absicht verwenden. Ein Euphemismus kann eine harte Tatsache etwas verträglicher erscheinen lassen. Zum Beispiel wird in Todesanzeigen oft geschrieben, jemand sei „entschlafen“ statt „gestorben“.

 

Beliebt sind Beschönigungen auch, wenn es um Tabuthemen geht. Somit vermeidet es der Redner, das Publikum oder sich selbst in Verlegenheit zu bringen. Die Tätigkeit von Prostituierten wird zum Beispiel häufig als „Liebesdienst“ bezeichnet.

 

Der dunklen Seite des Euphemismus nähern wir uns, wenn Redner versuchen, unangenehme Tatsachen zu vertuschen oder darauf abzielen, das Publikum gezielt zu täuschen. Häufig wollen sie vermeiden, dass unbequeme Fragen gestellt werden oder es zu einem Aufbegehren kommt.

 

Beispiele:

„Im Zuge von Umstrukturierungsmaßnahmen wurden 10 Mitarbeiter freigestellt.“

(Heißt: 10 Mitarbeiter wurden entlassen.)

 

In der Kriegsrhetorik sind „Kollateralschaden“ und „ethnische Säuberung“ zwei besonders abstoßende Beispiele für Euphemismen. Mit beiden Begriffen wollen Redner vertuschen, dass Menschen getötet werden.

 

Auch im Verkauf ist der Euphemismus beliebt. Verkäufer versuchen, Wörter zu vermeiden, die beim Kunden eine innere Abwehr auslösen könnten. Deshalb sagen sie lieber „investieren in ein Produkt“ statt „ein Produkt kaufen“ oder „etwas Besseres“ statt „etwas Teureres“.

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Der Dysphemismus ist das Gegenstück zum Euphemismus. Er wertet Begriffe ab und lässt sie negativ erscheinen. Er begegnet uns häufig in der politischen Rhetorik. Zum Beispiel werden in autoritären Staaten regimekritische Gruppen gerne als Terroristen bezeichnet, um Ihnen die Daseinsberechtigung abzusprechen.

Metonymie

Die Metonymie wird von uns permanent in Gesprächen eingesetzt. Wörtlich übersetzt bedeutet Metonymie „Namensvertauschung“ oder „Umbenennung“.

 

Definition:

Bei der Metonymie wird ein Ausdruck durch einen ähnlichen Begriff ersetzt. Dieser stammt aus der Nachbarschaft des Ursprungsbegriffs. Die Fakultät für Germanistik der Universität Freiburg liefert einen guten Überblick, wie die Metonymie angewendet werden kann:

 

– Personen statt Sache (Bacchus statt Wein)

– Gefäß statt Inhalt (einen Becher trinken statt die im Becher enthaltene Flüssigkeit trinken), auch auf Personen anwendbar (der Vatikan statt der Papst und seine Mitarbeiter)

– Ursache und Wirkung (pallida mors statt bleichmachender Tod) bzw. der Erzeuger für das Erzeugte

– Material statt Erzeugnis (Eisen statt Schwert)

– Abstraktum statt Konkretum (die Jugend statt die jungen Leute)

 

Funktion:

Die Metonymie macht eine Rede lebendiger und abwechslungsreicher. Durch sie werden Wortwiederholungen vermieden.

 

Beispiele:

Er jagte das Leder in die Maschen. (Leder statt Fußball)

 

Moskau hat einen Vertreter zu den diplomatischen Gesprächen entsendet. (Moskau statt die russische Regierung)

 

George Bush führte Krieg gegen den Irak. (George Bush statt das amerikanische Militär)

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Metonymie und Metapher haben gemein, dass ein Ausdruck durch einen anderen Begriff ersetzt wird. Eine Unterscheidung ist dennoch einfach möglich. Bei der Metonymie stammt der alternative Begriff aus demselben Sachbereich und hat einen realen Bezug zu dem Ausdruck. Bei der Metapher hingegen stammt der verwendete Begriff aus einem anderen Sinnzusammenhang.

Metapher

Die Metapher ist die Königin der rhetorischen Figuren. In einer gelungenen Rede ist meistens mindestens eine Metapher zu finden. Das Wort leitet sich von dem griechischen Begriff metaphora ab und bedeutet wörtlich übersetzt „Übertragung“.

 

Definition:

In einer Metapher wird ein Ausdruck durch einen anschaulicheren Begriff aus einem anderen Sinnzusammenhang ersetzt.

 

Funktion:

Allgemein gesprochen soll durch eine Metapher etwas bildhaft dargestellt werden. Metaphern werden benutzt, wenn für eine Sache kein Begriff existiert (z. B. „Stuhlbein“) oder wenn das eigentliche Wort als anstößig gilt (z. B. „Bordsteinschwalbe“ für Hure). Auch kann durch eine Metapher eine Eigenschaft besonders betont werden (z. B. „Leitwolf“ für eine starke Führungspersönlichkeit).

 

Beispiele:

Drahtesel für Fahrrad;

 

Überflieger für einen erfolgreichen Menschen;

 

Fahrstuhlmannschaft für eine Mannschaft, die häufig ab- und wieder aufsteigt;

 

„Auf den Zahn fühlen“ für unangenehme Fragen stellen;

 

„Mein Herz zerfloss in Glut“ (Goethe: Willkommen und Abschied)

 

„Liebesfackel“ (Schiller: Maria Stuart)

 

Verwandte rhetorische Stilmittel:

 

Häufig werden Vergleiche fälschlicherweise als Metaphern bezeichnet. Ein klares Unterscheidungsmerkmal ist der Aufbau des Satzes. Vergleiche werden mit „wie“ und „als“ gebildet, Metaphern werden ohne Konjunktion angeschlossen.

 

„In Ihr brannte das Feuer der Liebe“: Metapher

„In ihr brannte die Liebe wie ein Feuer“: Vergleich

Schwerer ist die Unterscheidung von der Allegorie (siehe Beitrag zu Allegorie).

Oxymoron

Der Ursprung des Wortes Oxymoron liegt in den griechischen Wörtern „oxys“ (scharsinnig) und „moros“ (dumm). Dieser Widerspruch reflektiert bereits die Bedeutung dieses rhetorischen Stilmittels.

 

Definition:

Beim Oxymoron wird eine Formulierung aus zwei sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet. Du hast mit Sicherheit schon häufig die Redensart „weniger ist mehr“ gehört – ein Oxymoron.

 

Funktion:

Durch das Oxymoron kannst du in deiner Rede eine innere Zerrissenheit zum Ausdruck bringen. Du kannst die Mehrdeutigkeit einer Situation darstellen und einen Sachverhalt von mehreren Seiten beleuchten.

 

Beispiele:

Hassliebe

 

Vor lauter Schweigen konnte man sein eigenes Wort nicht verstehen.

 

„Schwarze Milch der Frühe“ (Celan: Todesfuge)

 

„Unsichtbar sichtbar“ (Goethe: Faust)

 

Verwandte rhetorische Figuren:

Das Gegenstück ist der Pleonasmus. Er beschreibt in zwei Wörtern das Gleiche. Beispiele sind „feuchtes Wasser“ oder „leeres Vakuum“. Bei einigen geläufigen Wörtern handelt es sich ebenfalls um Pleonasmen, beispielsweise Glasvitrine (Vitrine „gläserner Schaukasten oder -schrank“) oder Rückantwort.

 

Das Oxymoron wird des Öfteren mit dem Paradoxon verwechselt, welches im Gegensatz zum Oxymoron eine nur scheinbar widersprüchliche Aussage ist.

Paradoxon: Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates). Ein ähnliches Stilmittel ist außerdem die Antithese.

Personifikation

Die Personifikation gehört zu den am häufigsten gebrauchten Stilmitteln in der Rhetorik und Lyrik. Der Begriff ist vom lateinischen „persona“ abgeleitet, was so viel wie „Maske“ bedeutet.

 

Definition:

Bei Personifikationen werden Tieren, Gegenständen oder Pflanzen menschliche Züge verliehen (Personifizierung) oder sie bekommen eine Stimme (Prosopopoiia).

 

Funktion:

Durch eine Personifikation wird die Sprache lebendiger und anschaulicher.

 

Beispiele:

„Der Baum streckte seine Äste hoch in den Himmel.“

 

„Die Vögel sangen romantische Liebeslieder.“

 

Verwandte rhetorische Stilmittel:

Personifikation und Allegorie lassen sich nur schwer voneinander unterscheiden. Denn in der Allegorie werden abstrakte Begriffe als Person dargestellt (z. B. Amor für Liebe).

Eine logische Trennung von der Metapher erscheint ebenfalls in vielen Fällen unmöglich, da durch die Personifikation wie bei der Metapher etwas bildhaft dargestellt wird.

Rhetorische Frage

Rhetorische Fragen sind in unserer Kommunikation ein ständiger Begleiter. In Reden sind sie ein ungemein effektives rhetorisches Mittel.

 

Definition:

Eine rhetorische Frage ist eine Behauptung, die sich als Frage verkleidet. Sie hat im Gegensatz zu einer klassischen Frage nicht das Ziel, einen Erkenntnisgewinn zu bringen.

Das Prinzip ist einfach: Du stellst dem Publikum eine geschlossene Frage, für die es nur eine sinnvolle Antwort geben kann.

 

Funktion:

Rhetorische Fragen werden eingesetzt, um das Publikum von einem Standpunkt zu überzeugen. Sie sollen im Publikum Emotionen wecken und sind ein exzellentes Mittel, um es in die Rede einbeziehen.

 

Rhetorische Fragen werden bevorzugt in motivierenden Reden eingesetzt – denn sie sind ein gutes Mittel, um die Ansichten des Publikums zu verändern. Laut Jochen Mai von Karrierebibel können sie einen Adressaten in die gewünschte Richtung stupsen, ohne dabei wie Kommandos zu wirken.

Du solltest sie dennoch nur selten in einer Rede einsetzen, denn rhetorische Fragen können auch besserwisserisch und damit provozierend wirken.

 

Vermeiden sollte man floskelhafte rhetorische Fragen. Beispielsweise sollte man seine Rede nie mit „Darf ich mich kurz vorstellen?“ einleiten.

 

Beispiele:

„Seid Ihr nicht auch der Meinung, dass Meere schöner sind, wenn darin keine Plastiktüten schwimmen?“

 

„Würden Sie in Ihrem Kamin Geldscheine verbrennen?“

 

Typische rhetorische Fragen, die uns im Alltag begegnen:

 

„Ist das dein Ernst?“

 

„Habe ich dir das nicht gleich gesagt?“

 

„Bist du noch ganz bei Trost?“

 

Dir hat dieser Beitrag weitergeholfen? Like als Dankeschön meine Facebook-Page.

2 Gedanken zu „Rhetorische Mittel: die Würzmischung für deine Rede

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.