Sieben Tipps für den Redeschluss

Das Ende einer Rede sollte wie die Kirsche auf einer Sahnetorte sein – sie sollte dem Gesamtwerk Ästhetik verleihen und es abrunden. Ein langweiliger Abschluss kann den Eindruck einer ansonsten perfekten Rede trüben. Wissenschaftlich untermauert wird dies durch den Rezenzeffekt – dieser besagt, dass zuletzt wahrgenommene Informationen ein überproportional starkes Gewicht in unserer Erinnerung einnehmen. Interessanterweise bleiben laut Forschung auch früher eingehende Informationen besonders präsent, im Falle einer Rede also der Einstieg. Was nun wichtiger ist – Einstieg oder Ende – kann von uns Rhetorikern nicht abschließend beurteilt werden und hängt wohl stark von der jeweiligen Redesituation ab.
 

Beherzige diese sieben Tipps und der Redeschluss wird dir gelingen.

 

  1. Verknüpfe Anfang und Ende deiner Rede.

Die perfekte Rede spannt einen Bogen vom Anfang bis zum Ende. Du beginnst deine Rede mit einer Geschichte? Verrate das Ende und was du daraus gelernt hast erst am Schluss. Du steigst mit einer Frage ein? Beantworte sie möglichst zum Abschluss deiner Rede. Wenn Anfang und Ende verknüpft sind, wirkt die Rede auf das Publikum gut durchdacht und strukturiert. Wie dein Redeeinstieg gelingt, liest du in diesem Beitrag.

  1. Fordere das Publikum auf, die wichtigsten Erkenntnisse deiner Rede zu nutzen.

Angenommen, du hast einen Vortrag vor Menschen mit Sozialphobie gehalten und dabei betont, wie wichtig Blickkontakt für zwischenmenschliche Beziehungen ist. Wenn du erreichen willst, dass sie Schritt für Schritt ihre Angst vor Blickkontakt abbauen, könnte der Schlusssatz lauten: „Ich möchte, dass Sie heute auf dem Heimweg einem Fremden für drei Sekunden in die Augen schauen und anlächeln.“ Wenn eine vernünftige Handlungsaufforderung am Ende der Rede mit Überzeugung vorgetragen wird, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie vom Publikum umgesetzt wird.

  1. Beende die Rede mit einem Zitat.

Ein Zitat rundet deine Rede ab und verleiht der Botschaft Gewicht. Wähle ein thematisch passendes Zitat einer Persönlichkeit, die dem Publikum bekannt ist und als Koryphäe gilt. Nenne in jedem Fall den Urheber des Ausspruchs. Eines meiner Lieblingszitate stammt von Schiller: „Die Stimme der Freundschaft in der Not zu vernehmen, ist das Göttlichste, was dem Menschen widerfahren kann.“ Mit einem humorvollen Zitat lockerst du die Atmosphäre auf, wenn das Vortragsthema etwas trocken war. Mir gefällt beispielsweise dieses von Kafka: „Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Straße.“

  1. Stelle am Ende deiner Rede eine Frage.

Mit einer Frage kannst du dem Publikum einen Handlungsimpuls oder zumindest einen Denkanstoß geben. Nicht umsonst wird in guten Coachings mehr gefragt als erklärt. Wenn wir beim Thema Blickkontakt bleiben, könnte die Abschlussfrage lauten: „Was können Sie heute noch tun, um Blickkontakt zu üben? Beantworten Sie sich diese Frage selbst.“ Wenn das Publikum etwas tun soll, kann eine Frage effektiver als eine Aufforderung sein, da Menschen grundsätzlich am liebsten aus eigener Motivation heraus handeln (zumindest ich).

  1. Probiere es mal mit Humor.

Richtig eingesetzt ist Humor ein perfektes Stilmittel für den Redeschluss. Das gilt besonders für Fachvorträge, die den Zuhörern inhaltlich viel abverlangen. Wenn das Publikum zum Ende der Rede lacht, verlässt es den Vortrag mit einem guten Gefühl. Was kann es besseres für einen Redner geben?

Mit folgenden Stilmitteln können Zuhörer zum Lachen gebracht werden:

  • Selbstironie
  • Witz erzählen
  • Lustiges Zitat
  • Witzige Anekdote
  • Wortspiel
  • Sarkasmus

Überlege, welche Art von Humor am besten zu dir passt. Ob Humor bei den Zuhörern ankommt, hängt maßgeblich davon ab, wie der Redner ihn rüberbringt. Deshalb solltest du dich mit dem gewählten Stilmittel wohlfühlen. Findet man seine eigenen Witze lustig, geht es dem Publikum meist genauso.

  1. Fasse die wichtigsten Punkte deiner Rede zusammen.

In einem anderen Beitrag bin ich bereits darauf eingegangen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen immer kleiner wird. Es fällt Zuhörern schwer, sich mehr als fünf Minuten auf eine Rede zu konzentrieren. Deshalb ist es äußerst hilfreich, wenn du am Ende die wichtigsten Punkte zusammenfasst. Dann zieht das Publikum aus dem Vortrag einen größeren Erkenntnisgewinn. Gerade bei komplexen Themen halte ich es für unverzichtbar, dass die zentralen Aussagen am Ende zusammengefasst werden. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selber zu den Menschen gehöre, deren Gedanken gerne abschweifen.

  1. Sage am Ende nicht „danke für die Aufmerksamkeit“.

Häufig bedanken sich Redner am Ende ihres Auftritts für die Aufmerksamkeit. Warum solltest du dem Publikum danken? Wenn du mit deiner Reden einen Wert geschaffen hast, sollte es DIR danken. Schließlicht hast du viele Stunden in die Vorbereitung investiert. Wie würde es wirken, wenn sich eine Rockband am Ende des Konzerts für die Aufmerksamkeit bedankt? Außerdem ist die Phrase „danke für die Aufmerksamkeit“ abgegriffen und wirkt auf mich ziemlich einfallslos. Wenn du dich am Ende unbedingt bedanken willst, kannst du beispielsweise den warmherzigen Empfang würdigen.

Zusammengefasst:
  • Der Redeschluss bleibt dem Publikum im Gedächtnis – daher kann sich eine Priese Perfektionismus in der Ausarbeitung lohnen.
  • Bedanke dich NICHT für die Aufmerksamkeit.
  • Eine perfekte Rede spannt einen Bogen vom Anfang bis zum Ende.
  • Folgende Stilmittel eignen sich für das Ende einer Rede:
    • Persönliche Geschichte
    • Zitat
    • Frage
    • Handlungsaufforderung / Appell
    • Humor
    • Zusammenfassung / Resümee
    • …und viele andere

Wie sieht das optimale Ende einer Rede aus? Auf deine Meinung bin ich gespannt.

 

Foto: ©Fotolia

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