Sieben Tipps, um das Publikum mit deinem Vortrag zu fesseln

Kennst du dieses Gefühl? Nach einem anstrengenden Arbeitstag hörst du dir am Abend einen Vortrag an. Der Redner spricht seine ersten Sätze – und du merkst, dass du eigentlich viel zu müde bist, um aufzupassen.

 

Du ringst mit dem Sekundenschlaf wie eine Python mit einer Gazelle. Und in der Mitte des Vortrags merkst du, dass du den Faden verloren hast. Du würdest den Raum am liebsten verlassen und nach Hause gehen. Nur deine Höflichkeit hält dich zurück.

 

Suche in solchen Fällen die Schuld nicht einseitig bei dir – einen großen Anteil hat in der Regel der Redner, der es nicht geschafft hat, dich mit seinem Vortrag zu fesseln.

 

Wenn du selber auf der Bühne stehst: Willst du der Redner sein, der das Publikum in den Schlaf wiegt? Oder doch lieber der Redner, der seine Zuhörer bestens unterhält und am Ende mit stehenden Ovationen verabschiedet wird?

 

Wenn du Letzteres willst, triffst du mit den folgenden sieben Tipps ins Schwarze:

 

1. Persönliche Geschichten

Es gibt nichts, was das Publikum so fesselt, wie eine spannende Geschichte. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir uns Informationen besser merken können, wenn sie in Form einer Story präsentiert werden.

 

Gute Geschichten haben einen ähnlichen Aufbau: Eine Hauptperson gerät in eine schwierige Situation, überwindet diese, und geht gestärkt daraus hervor. Oftmals hat sie durch die Erfahrung eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Der Hauptprotagonist ist im Idealfall der Redner selbst oder eine ihm bekannte Person. Lese zur Vertiefung meinen Beitrag über Storytelling.

 

Ein inspirierendes Beispiel ist der Ted Talk der Harvard-Professorin Amy Cuddy. Sie verknüpft in dem millionenfach angeschauten Video ihr eigenes Schicksal mit dem Vortragsthema und erhält am Ende stehende Ovationen. Erfahre mehr darüber in diesem Blogpost.

 

2. Zitate

Was haben Einstein, Churchill und Aristoteles gemeinsam? Du kannst ihre weisen Sprüche in deiner Rede verwenden! Wenn wir den Satz einer wichtigen Person verwenden, schmücken wir unsere Rede mit dessen Autorität. Alles, was nach dem Zitat kommt, wirkt für den Zuhörer glaubwürdig und fundiert.

 

Und nicht nur das: Wenn du ein Zitat geschickt einsetzt, wirkst du als Redner kompetenter.

 

Benutze nur Zitate von Personen, die wirklich jeder im Publikum kennt. Ansonsten hat das Zitat keine Autorität und somit keinen Wert. Ich benutze am liebsten Zitate von griechischen oder römischen Philosophen. Wenn Menschen so viele Jahre nach ihrem Tod immer noch gelesen und studiert werden, müssen sie wirklich weise gewesen sein. Zitate eignen sich auch gut, um eine Rede einzuleiten oder zu beenden.

 

3. Pausen

Pausen sind ein mächtiges Werkzeug, um in Vorträgen Spannung aufzubauen. In Geschichten entfaltet sich die Dramaturgie erst durch Pausen. Wenn du in deiner Rede an einem Punkt bist, wo du eine wichtige Entwicklung oder eine Lösung für ein Problem vorstellst – halte erstmal Inne und baue durch eine Pause Spannung auf. Das Publikum wird es dir mit ungeteilter Aufmerksamkeit danken.

 

Sogar für den Einstieg sind Pausen überraschend effektiv. Ich habe mal eine Rede begonnen, indem ich einige Momente schweigend ins Publikum blickte und meinen Blick einige Momente schweifen ließ. Durch diesen Blickkontakt stiegen die Erwartungen des Publikums ins Unermessliche. Alle waren beim Start meiner Rede ganz still. Schaue dir zum Thema Pausen auch diesen Beitrag an.

 

4. Übungen mit dem Publikum

Wenn du willst, dass deine Zuhörer aufmerksam bleiben – sorge dafür, dass sie bei deinem Vortrag mitmachen.

 

Ich habe einmal einen Vortrag über wirkungsvolle Strategien in der Telefonakquise gehalten. Zum Einstieg bat ich nacheinander zwei Personen aus dem Publikum, mir ein Feuerzeug zu verkaufen. Sie versuchten auf völlig unterschiedliche Weise, mir das Feuerzeug „anzudrehen“. Ich gebe zu, dass mich eine Szene aus dem Film „The Wolf of Wall Street“ zu dieser Übung inspiriert hat.

 

Jedenfalls hat mir das Publikum während des gesamten Vortrags aufmerksam zugehört und ich bin sicher, dass die Übung zum Erfolg meiner Rede beigetragen hat.
 

5. Drama

Top-Speaker Hermann Scherer beschreibt in einem seiner Beststeller, wie er den Durchbruch als Redner geschafft hat.
 
Er schlüpfte in einer Rede in die Rolle eines Zyklopen und wälzte sich vor den Augen des Publikums laut schreiend auf dem Boden – sehr zum Unmut des Hotels, indem die Veranstaltung stattfand.

 

Inspiriert von dieser Anekdote habe ich bei den Toastmasters einen ähnlichen Auftritt hingelegt. Es war mein zehntes Redeprojekt, das immer etwas Besonderes sein soll.

Ich spielte Gollum aus der Herr der Ringe und wälzte mich in der Mitte des Raumes auf dem Boden. Am Ende der Rede schmierte ich mir roten Lippenstift auf die Wangen.

Ich hatte noch nie einen so stürmischen Applaus für eine Rede erhalten.

 

Würze deine Rede mit Drama und trau’ dich, deine Komfortzone zu verlassen.

 

6. Visualisierungen

Die Rhetoriktrainerin Barbara Bosch veranschaulichte in ihrer Rede das menschliche Gehirn, indem sie einen saftigen Blumenkohl in ihren Händen hielt. Die Oberfläche dieses Gemüses erinnert mit etwas Fantasie tatsächlich stark an ein Gehirn. Und ich habe Jahre nach dem Vortrag immer noch klar vor Augen, wir Barbara den Blumenkohl in ihren Händen hält.

 

Eine andere Rednerin thematisierte in ihrer Rede die Kleidung von Frauen in arabischen Ländern – und zog sich im Vortrag eine traditionelle Verschleierung für muslimische Frauen an, eine Dschilbab.

 

Wie aufregend sind diese Visualisierungen verglichen mit Flipcharts und Power Point Folien?

 

7. Humor

Warum schafft es der Komiker Mario Barth immer wieder, Stadien mit zehntausenden Zuschauern zu füllen? Weil Menschen es lieben, zu lachen. Kinder lachen im Schnitt 400 Mal am Tag, Erwachsene dagegen nur 15 Mal – deutlich zu selten für dauerhaft gute Laune.

 

Sorge mit deiner Rede dafür, dass sich die Zuhörer königlich amüsieren – denn dann werden sie dir garantiert bis zum Ende zuhören.

Gerade für den Redeeinstieg sind Witze und lustige Anekdoten bestens geeignet.

 

Wie ich bereits in meinem Beitrag über den Redeschluss geschrieben habe, können Zuhörer mit folgenden Stilmitteln zum Lachen gebracht werden:

  • Selbstironie
  • Lustiges Zitat
  • Wortspiel
  • Sarkasmus
  • Witz erzählen
  • Witzige Anekdote

Am wichtigsten ist übrigens deine eigene Einstellung zu deinem Humor – wenn du selber einen Witz richtig lustig findest, wird dein Publikum garantiert mitlachen.

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