So vermeidest du Füllwörter in Vorträgen

Ich hatte an der Universität einen Professor. Ich nenne ihn Professor X. Er schaffte es, in jedem Satz einen Laut wie „Äh“ oder „Ähm“ einzubauen. Manchmal auf mehrere.

 

Viele Studenten interessierten sich nicht für den Inhalt seiner Vorlesung, sondern notierten auf einem Zettel, wir häufig er diesmal „äh“ sagte. Das nahm manchmal den Charakter eines spannenden Wettbewerbs an: Schafft es Professor X heute, seinen eigenen Rekord im „Äh-Sagen“ zu brechen?

 

Es wäre Professor X mit Sicherheit lieber gewesen, er wäre bei seinen Studenten für seine spannenden Vorträge bekannt geworden. Doch er erlangte einen zweifelhaften Ruf, weil er so viele Verlegenheitslaute benutzte.

 

Wenn ein Redner in seinem Vortrag vereinzelt „äh“ oder „ähm“ sagt, ist es kein Beinbruch. Bei zu häufigem Gebrauch besteht jedoch die Gefahr, dass die Zuhörer vom Inhalt der Rede abgelenkt werden.

Das Schöne ist: Jeder kann den Gebrauch von Füllwörtern deutlich reduzieren! Es ist nicht besonders schwierig.

Linguisten sprechen übrigens lieber von „Verzögerungslauten“ oder „Verlegenheitslauten“. Das finde ich sinnvoll, denn ein Wort hat in der Regel eine inhaltliche Bedeutung – „Äh“, „Ähm“ oder „Mhh“ hingegen nicht.

 

Gemäß exakter Definition sind Wörter wie „eben“, „sozusagen“ oder „quasi“ Füllwörter. Sprachprofis empfehlen, sie in geschriebener Sprache zu vermeiden, da ihr Gebrauch als schlechter Stil gilt. Wenn ich in diesem Artikel von Füllwörtern schreibe, meine ich eigentlich Verzögerungslaute.

 

Wie kann man den Gebrauch von Füllwörtern reduzieren?

 

Die beste Medizin gegen „Ähs“ und „Mhhs“ ist eine sorgfältige Vorbereitung. Denn Redner neigen dazu, Verzögerungslaute zu benutzen, wenn sie sich während ihrer Rede unsicher fühlen. Durch eine angemessene Vorbereitung kannst du den Gebrauch von Füllwörtern möglicherweise nicht gänzlich vermeiden – doch sie hilft dir, die Rede flüssiger vorzutragen.

Pausen akzeptieren

Redner benutzen Füllwörter, weil Ihnen Pausen unbehaglich sind. Sie fragen sich meist unbewusst: „Was denkt das Publikum von mir, wenn ich ein paar Momente gar nichts sage?“

 

Redner schätzen das Publikum in diesem Punkt falsch ein – Pausen werden keineswegs als Schwäche gedeutet. Sie werden nur als Unsicherheit interpretiert, wenn der Redner durch nervöse Bewegungen deutlich signalisiert, dass er sich unwohl fühlt.

 

Damit du in Reden weniger Füllwörter benutzt, solltest du dir vergegenwärtigen, dass Pausen besser als Verzögerungslaute sind. Unterbrechungen bauen Spannung auf und geben dem Publikum Zeit, nachzudenken. Außerdem zeugen sie davon, dass der Redner ein intaktes Selbstbewusstsein hat.

 

In meinem Beitrag zu Redeeinstiegen habe ich geschrieben, dass man seine Rede mit einer Pause beginnen kann. Probiere es aus! Nach und nach wirst du die Scheu vor Pausen ablegen. Und gleichzeitig machst du deinem Unterbewusstsein klar, dass Füllwörter unnötig sind.

Füllwörter abklingeln

Der Redeclub Toastmasters ist dafür bekannt, dass er seinen Mitgliedern die Benutzung von Verzögerungslauten systematisch abgewöhnt.

 

Die Methode ist ganz simpel: Es gibt in jedem Club einen „Äh-Zähler“ mit einer Klingel. Diese kommt immer zum Einsatz, wenn ein Mitglied einen Verlegenheitslaut benutzt. So wird den Rednern bewusst, wie viele überflüssige Wörter sie verwenden.

 

Ganz automatisch benutzen sie mit der Zeit deutlich weniger Füllwörter – denn sie möchten das unangenehme Gefühl vermeiden, das entsteht, wenn sie ein „Äh“ benutzen und das Klingeln ertönt.

 

Es ist phänomenal, wie sich die rhetorischen Fähigkeiten von Mitgliedern der Toastmasters mit der Zeit verbessern. Wenn du mehr über die Toastmasters erfahren willst, kannst du dir meinen Erfahrungsbericht durchlesen.

Kurze Sätze

Deine Rede ist leichter vorzutragen, wenn deine Sätze kurz sind. Bandwurmsätze überfordern den Redner und das Publikum gleichermaßen. Was für die Schriftsprache gilt, gilt auch für die gesprochene Sprache: besser kurze als lange Sätze!

 

Fazit

Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch seinen Gebrauch von „Ähs“, „Ähms“ und „Mhhs“ deutlich reduzieren kann. Und viele Redner können die unsäglichen Verzögerungslaute gänzlich aus Ihrem Sprachgebrauch verbannen. Notwendig dafür sind die richtige Vorbereitung und regelmäßige Übung.

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