Storytelling in Vorträgen: Was wir von Käpt’n Blaubär lernen können

Storytelling ist die Geheimwaffe guter Redner. Was viele nicht Wissen: Geschichtenerzählen kann man lernen.

Du sitzt in einer Univorlesung früh am Morgen. Du weißt, dass du aufpassen musst, da du in der kommenden Woche eine wichtige Klausur schreibst.

 

Und trotzdem schweifen deine Gedanken immer wieder ab. Du versuchst dich krampfhaft zu konzentrieren, doch es bringt nichts – deine Gedanken sind wie ein unzähmbares Wildpferd.

 

Nach der Vorlesung hast du Schuldgefühle. Du fragst dich: „Warum konnte ich Idiot nicht zuhören? Ich wünschte, ich könnte mich besser konzentrieren.“

 

Du suchst die Schuld einseitig bei dir. Doch liegst du damit richtig?

 

Warum es wichtig ist, Vorträge mit Geschichten zu würzen

Ob wir bei einer Rede zuhören können, hängt entscheidend davon ab, wie der Redner sein Thema präsentiert. Wenn er uns die ganze Zeit mit Zahlen, Fakten und trockener Theorie knebelt, schalten wir irgendwann ab. Wir können gar nicht anders.

 

Meine Meinung: Wenn wir einem Vortrag nicht folgen können, ist fast immer der Redner Schuld. Er hat es nicht geschafft, sein Thema ansprechend zu vermitteln.

 

Menschen denken am liebsten in Bildern. Wenn wir die ganze Zeit gezwungen werden, abstrakt zu denken, fühlen wir uns überfordert und haben keine Lust mehr, aufzupassen.

 

Wie können wir Bilder erzeugen, die das Publikum in den Bann ziehen? Durch Storytelling, oder einfacher gesagt: Geschichtenerzählen.

 

Ich erinnere mich noch an meinen Professor in Makroökonomie. Er hatte immer unterhaltsame Geschichten auf Lager.

 

Wie er Kampfpilot bei der US Air Force wurde. Wie er sich nach einem Jobverlust mit existenziellen Ängsten herunrumschlug. Wir er mit über 50 Jahren mit Karate anfing und noch den braunen Gürtel erreichte, um anschließend Jugendlichen diesen Kampfsport beizubringen.

 

Obwohl die Themen seiner Vorlesungen oft staubtrocken waren, war der Hörsaal immer brechend voll – weil der Mann es verstand, die Studenten immer wieder mit Geschichten zu unterhalten.

 

Warum prägen sich Geschichten ein?

Wer erinnert sich an den alten Käpt’n Blaubär? Wie er in seinem Schaukelstuhl sitzt und seine Enkel mit erfundenen Seefahrergeschichten verzaubert?

 

Als Geschichtenerzähler und Redner können wir von Käpt’n Blaubär eine Menge lernen. Aber dazu später mehr…

 

Wir können uns Erkenntnisse besser merken, wenn sie in einer Geschichte verpackt sind. Denn Geschichten wecken Emotionen und sprechen mehr Gehirnregionen an, als eine einfache Information.

 

Studien belegen zudem, dass Menschen Ideen am ehesten akzeptieren, wenn sie als Story vorgetragen werden. Fakten und Analysen sind dagegen weniger überzeugend.

 

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass wir jeden Tag Geschichten hören und erzählen.
 
Du berichtest einem Freund von deinem Besuch beim Zahnarzt? Du erzählst eine Geschichte.

Du informierst deine Nachbarin über die komischen Geräusche, die du gestern im Keller gehört hast? Du erzählst eine Geschichte.

 

Was sind die Geheimnisse guter Geschichten?

a) Handlung

Ob in Filmen, Büchern oder Opern – Storys haben immer einen ähnlichen Handlungsverlauf, den man sich gut merken kann.

 

Die fünf Elemente einer gelungenen Handlung werden treffend von Jochen Mai in dem Blog Karrierebibel beschrieben:

 

  1. Eine Ausgangssituation, die Emotionen weckt;
  1. Ein Held, der Charaktereigenschaften besitzt, mit denen man sich identifizieren kann;
  1. Konflikte und Hindernisse, die der Held überwinden muss;
  1. Eine vom Held durchlaufene Transformation (Vorher- Nachher-Situation);
  1. Eine Pointe: Möglichst ein Fazit, mit dem sich der Zuhörer identifizieren kann;

 
Schaue dir einen beliebigen Film an – du wirst Teile dieses Handlungsverlaufes erkennen;

 

b) Sprache

Die Sprache ist ein weiterer wichtiger Baustein, um die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer zu fesseln. Gute Geschichten weisen folgende Eigenschaften auf:

 

  • bildhafte Sprache mit rhetorischen Stilmitteln („Finsternis sah mit hundert schwarzen Augen aus dem Gesträuche“ – Goethe: Willkommen und Abschied);
  • viele Verben („Ich kam, sah und siegte“ – Julius Cäsar);
  • Zuspitzungen, die in leichte Übertreibungen münden können („ihre Augen funkelten wie eine Nacht in Asien“ – Freundeskreis: Anna);
  • direkte Ansprache des Publikums (durch Sätze wie: „Ihr werdet nicht glauben, was dann passiert ist“);

 
Geschichten sind umso ergreifender, je realer sie sind. Und die allerbesten Geschichten sind diejenigen, die man selber erlebt hat.

 

Wenn du dich tiefer mit dem Thema Storytelling beschäftigen möchtest, kann ich dir dieses Buch von Petra Sammer empfehlen.

 

Was ist das Geheimnis von Käpt’n Blaubär?

Zurück zum Käpt’n. Wenn die blaue Puppe loslegt, kleben Kinderaugen am Fernseher wie Schnecken an der Hauswand. Und manch einem Erwachsenen geht es genauso.

 

Warum? Weil Käpt’n Blaubär es versteht, meisterhaft Geschichten zu erzählen.

Ich lade dich zu einer kleinen Übung ein. Schaue dir dieses 5-minütige YouTube-Video an und überlege, warum die Geschichte gut erzählt ist. Danach kannst du deine Erkenntnisse mit meinen vergleichen.

 

Storytelling mit Käpt’n Blaubär: meine Beobachtungen

 

Seine Geschichte weist den oben beschriebenen Handlungsverlauf auf.

  • Eine interessante, weil ungewöhnliche Ausgangssituation: eine Meeresüberfahrt mit Chefköchen, die an einem Kochwettbewerb teilnehmen wollen;
  • Ein Held: Käpt’n Blaubär persönlich;
  • Eine schwierige Situation, die es zu überwinden gilt: Kochduell mit dem gefährlichen Piraten Kapitän Schleck;
  • Eine Pointe in Form einer Erlösung: Kapitän Schleck ist von der Rattensuppe begeistert und lässt die Köche am Leben;

 

Seine Sprache erzeugt Bilder und baut Spannung auf.

  • Er spricht verschiedene Sinne an, z. B. den Geruchssinn: „Mein Kutter war nicht zu überriechen“ (gleichzeitig eine Wortschöpfung);
  • Er benutzt bildhafte Sprache: „Haifischfraß“;
  • Er integriert ein Wortspiel: „Die wollten zu den kulinarischen Spielen in Nassau“ (als Anlehnung an Olympische Spiele);
  • Er benutzt kurze, verständliche Sätze und verfeinert diese mit Umgangssprache: „Sie hatten keinen Bammel und legten los“;
  • Er lässt die Zuschauer die Emotionen der Protagonisten spüren: „Die Köche standen jammernd und bibbernd auf der Planke“;
  • Er setzt rhetorische Mittel ein, z. B. einen Reim: „Sobald ich mein Leben mit dem blanken Degen verkaufte…“
  • Er baut Spannung auf und lässt seine Enkel erraten, wie die Geschichte weitergeht: „Sie brutzelten ausgewiesene Köstlichkeiten…“
  • Einsatz visueller Hilfsmittel: Am Ende seiner Story zeigt er eine Packung „Bordratte Instant“;

 

Ich verstehe die Geschichte als Satire auf übertriebenes Gehabe von (Fernseh- ?)Köchen und irrwitzige Namen für einfache Speisen. Gute Unterhaltung, wie ich finde!

 

Übrigens kenne ich viele Redner, die ihre Geschichten lieber im Präsens als in der Vergangenheit vortragen. Sie argumentieren, dass die Zuhörer sich so besser in die Geschichte hineindenken können. Probiere aus, was für dich am besten funktioniert.
 

 

Welche Geschichte möchtest du in deinem nächsten Vortrag erzählen?

 

4 Gedanken zu „Storytelling in Vorträgen: Was wir von Käpt’n Blaubär lernen können

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