Trauzeugenrede halten – Erfahrungen und Tipps

Die Erinnerung an eine Hochzeit bleibt für das Brautpaar ein Leben lang. Alles soll am großen Tag bis in kleinste Detail stimmen, von der Dekoration der Hochzeitstorte bis zur Farbkomposition des Brautstraußes.
 
Deshalb möchte man sich als Trauzeuge ungern bei einer Hochzeitsrede blamieren. Unzählige Redner sind bei Hochzeitsreden in Fettnäpfchen getreten, die das Ausmaß des Viktoriasees haben.

Ich habe auf der Hochzeit eines langjährigen Freundes eine Trauzeugenrede gehalten.

Von meiner Erfahrung möchte ich dir berichten – denn vielleicht wirst du bald ebenfalls als Trauzeuge eine Hochzeitsrede halten!

Wie bereitet man als Trauzeuge eine Hochzeitsrede vor?

Erste Überlegungen

Mein Freund bittet mich ungefähr 10 Monate vor seiner Hochzeit, sein Trauzeuge zu sein. Als langjähriger Toastmaster ist es für mich selbstverständlich, dass ich „ja“ sage, als er mich fragt, ob ich eine Trauzeugenrede halten werde. Für die nächsten 8 Monate verschwindet die Rede aber vorerst in den Untiefen meiner Gedankenwelt und kommt nur gelegentlich an die Oberfläche. Ich sage mir dann immer: Noch ist Zeit!
 
Vier Wochen vor der Hochzeit denke ich zum ersten Mal – jetzt musst du aber so langsam ran! Meine ersten Ideen sammele ich, als ich mit dem ICE nach Bremen fahre, um meine Eltern zu besuchen. Ich überlege mir einen Ansatz für die Rede und krame erste Anekdoten aus der Vergangenheit hervor. Auf der Seite hochzeitsrede.biz lese ich, dass eine Trauzeugenrede:

  • kurzweilig und humorvoll sein sollte.
  • die Vergangenheit des Bräutigams mit einem Augenzwinkern betrachten sollte, ohne dabei zu peinlich zu sein.
  • authentisch sein sollte.

Als Hilfe erweist sich außerdem die Seite predigtpreis.de, eine Datenbank für Predigten. Ich lese mir als Inspiration alle Predigten durch, die von Liebe oder Hochzeit handeln.
 
In eine Rede finde ich ein Zitat von Wilhelm Busch, das mich so anspricht, dass ich entscheide, es in meine Rede aufzunehmen:
 
„Denn das Schönste hier auf Erden ist lieben und geliebt zu werden.“
 
Der erste Baustein meiner Rede ist gefunden.

Rede schreiben

Vollgesogen mit Informationen bringe ich meine ersten Gedanken zu Papier. Mir wird dabei bewusst, dass Redenschreiben ein kreativer Prozess ist, der sich nicht immer steuern lässt und auch frustrierend sein kann.
 
So fallen mir anfangs einfach nicht genug Anektdoten für die Rede ein – obwohl ich meinen Freund seit über 20 Jahren kenne und wir in den Schul- und Studienjahren viele Tage und (Party-) Nächte miteinander verbracht hatten. Ich versuche, mich zu konzentrieren – doch es will mir einfach nichts einfallen.

Üben bei den Toastmasters

Ich beschließe, meine Rede bei einem Abend des Redeclubs „Toastmasters“ vorzutragen. Das hat zwei Vorteile:

  • Ich habe mir damit eine Deadline für den ersten Entwurf auferlegt.
  • Ich bekomme Feedback von mehr als 20 versierten Rednern.

Ich habe schon in dem Beitrag „kann dir Toastmasters helfen, ein guter Redner zu werden“ betont, dass Toastmasters eine fantastische Sache ist, wenn es dir darum geht, deine Redefähigkeiten zu verbessern.
 
Ich halte die Rede bei den Toastmasters 1 ½ Wochen, bevor ich sie auf der Hochzeit vortrage. Nie war der Redeclub so wertvoll, wie bei der Vorbereitung dieser Trauzeugenrede. Ich bekomme Tipps, die mir ermöglichen, meine Rede unterhaltsamer und ergreifender zu gestalten, unter anderem folgende:

  • Mehr Highlights und Gefühl einbauen
  • Metaphern verwenden, die einen lokalen Bezug haben (da die Hochzeit in der Schweiz stattfindet, bieten sich z. B. „Berg-Metaphern“ an)
  • Weniger Pathos
  • Rede an einigen Stellen kürzen
  • Weniger ablesen
  • Mehr Blickkontakt mit dem Publikum

Am darauffolgenden Wochenende nehme ich mir die Zeit, mich in ein Café zu setzen und das gesammelte Feedback bei einem kräftigen Grünen Tee durchzugehen und meine Rede umzuschreiben.
 
Plötzlich öffnen sich auch meine kreativen Schleusen und mir fallen Anekdoten aus der Schulzeit ein, an die ich noch nicht gedacht hatte. Ich verpasse der Rede einen letzten Feinschliff als ich im Flieger nach Zürich sitze, zwei Tage vor der Hochzeitsfeier.

Der Abend zuvor

Als ich am Abend vor der Hochzeit im Hotel sitze, zeigt sich plötzlich meine perfektionistische Seite. Ich hatte eigentlich vor, die Rede vorzulesen.
Doch meine innere Stimme sagt: Ist das wirklich der Anspruch, den du an dich selber hast?
 
Und so halte ich die Rede ein paar Mal in meinem Hotelzimmer, bis sie sitzt und ich nur noch vereinzelt auf das Manuskript blicken muss. Ich prüfe die Redezeit: 4:30 Minuten. Etwas länger als vorgesehen, aber immer noch im Rahmen.

Der Augenblick der Wahrheit

Am Tag der Hochzeitsfeier schwingt von Anfang an eine gewisse Anspannung mit. Es ist für mich nicht alltäglich, eine Rede vor rund 50 Menschen zu halten.
 
Nach dem Hauptgang ist der große Moment gekommen. Ich fühle mich stark, meine Anspannung ist überschaubar – ein Glas Weißwein zur Vorspeise könnte einen Beitrag geleistet haben. Ich empfinde Spaß dabei, die Rede zu halten und spreche laut, damit mich jeder verstehen kann. Ich habe mich bewusst am hinteren Ende des Raumes platziert, damit mich alle Gäste sehen können. Die Adressaten meiner Rede – das Brautpaar – sitzt in der Mitte des Raumes.
 
An einigen Stellen ernte ich Lacher – mein humoristischer Ansatz geht auf.
 
Ich beende meine Rede, hole mir den Applaus ab und setze mich hin. Ein guter Freund, der neben mir sitzt, gratuliert mir zu der aus seiner Sicht gelungenen Rede. Gemeinsam mit ihm rauche ich auf der Terrasse eine Zigarette, obwohl ich eigentlich ein erklärter Nichtraucher bin.

Mein Fazit

Ich kann jedem empfehlen, eine Trauzeugenrede zu halten. Es ist eine bereichernde Erfahrung, an die man sich wohl ein ganzes Leben lang erinnert.
 
Folgende Tipps kann ich dir mitgeben:

  • Eine Rede schreiben ist ein kreativer Prozess und Kreativität kann man nicht erzwingen; deshalb ist eine lange Vorbereitungszeit wichtig; ich empfehle mindestens vier Wochen.
  • Hole dir Feedback ein, bevor du die Hochzeitsrede hältst, möglichst von mehreren erfahrenen Rednern.
  • Du kannst für die Rede ein Manuskript benutzen; versuche aber, die Rede so zu beherrschen, dass du nicht die ganze Zeit ablesen musst.
  • Beziehe die Braut in deine Trauzeugenrede ein.
  • Setze auf Metaphern mit lokalem Bezug, da diese für das Publikum eingängiger sind.
  • Stelle dich im Raum so hin, dass dich jeder sehen kann.
  • Falls du kein Mikrofon hast – Rede bewusst mit lauter Stimme.
  • Sehe deinen Auftritt nicht so verbissen – du solltest während deiner Rede Spaß haben; wenn du dich amüsierst, wird auch das Publikum Spaß haben und dein Humor wird viel besser funktionieren.

Für weitere Inspiration empfehle ich das Buch Schöne Reden zur Hochzeit: Treffend formuliert, perfekt vorgetragen. Du kannst es über den Link direkt bestellen.

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