Was ist Pecha Kucha?

Ich sitze unruhig auf meinem Stuhl und warte auf den ersten Pecha Kucha Vortrag meines Lebens. Pecha Kucha – das klingt hip und aufregend. Das klingt exotisch.

 

Der Vortrag findet in einem kleinen Raum statt, etwa 20 Gäste sind gekommen.

Kurz vor dem Vortrag ist es so ruhig, dass man eine fallende Stecknadel hören könnte.

Alle erwarten, dass heute Abend etwas Besonderes passiert.

Der Redner, ein Marketing Experte, erklärt vorab die Spielregeln, die für alle Pecha Kucha Vorträge gelten.

 

  • Es werden genau 20 Bilder gezeigt.
  • Jedes Bild wird exakt 20 Sekunden gezeigt, dann wird automatisch zum nächsten Bild gewechselt.
  • Der Vortrag dauert also genau 6:40.

 

Der Beamer wirft ein leuchtendes Bild an die Wand und kurz darauf erstrahlt das Deckblatt der PowerPoint Präsentation in bunten Farben.

 

Ich werde Zeuge meines ersten Pecha Kucha Erlebnisses. Das Thema: Online-Marketing mit Google. Sicher nicht das beste Thema für einen bildstarken Vortrag, denke ich mir.

 

Ein Bild – 20 Sekunden. Ich merke sofort, dass es für den Redner eine Herausforderung ist, seinen Inhalt in dieses enge zeitliche Korsett zu pressen. Die Präsentation wirkt ein wenig überhastet und manchmal wünsche ich mir, ich könnte eine Folie länger ansehen.

 

Am Ende des Vortrags bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich ein Freund kurzer, prägnanter Vorträge. Ich empfinde eine Rede, die wie eine Schallplatte mit Sprung immer weiter läuft, als Zumutung.

 

Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, dass die rigide 20-Sekunden-Regel die Nervosität des Redners gesteigert hat. Außerdem wirkte der Vortrag sehr durchgeplant; es gab keinen Raum für belebende Spontaneität. Ich kann mir dieses Format besser für Urlaubsbilder vorstellen.

 

Woher kommt Pecha Kucha?

 

Erfunden wurde Pecha Kucha (Japanisch für „wildes Geplapper“) von zwei japanischen Architekten. Sie wollten jungen Designern ermöglichen, ihre Arbeit zu präsentieren und Ideen auszutauschen.

 

Berlin gehört zu den weltweit ersten Städten, wo regelmäßig Pecha Kucha Nächte stattfinden.
Auf der Webseite von Pecha Kucha Berlin sind alle Vorträge archiviert. Die Themen sind hip und knallbunt, so wie die Hauptstadt selbst.

 

Ich schaue mir einen Vortrag an, indem eine Spanierin bekannte Kunstwerke auf Flugzeugtoiletten nachstellt. Flugzeugtoiletten sind für sie Orte der Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis. Ich finde den Vortrag originell und muss bei einigen Slides leise schmunzeln. Für diese Präsentation scheint Pecha Kucha wie gemacht.

 

Ich klicke auf einen anderen Vortrag. Ein Berliner Fotograf ist mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne in eine türkische Küstenstadt gereist, wo tausende Flüchtlinge versuchen, auf die griechische Insel Lesbos zu kommen.

 

Seine Fotos zeigen, was die Menschen zurückgelassen haben, bevor sie sich mit Schlauchbooten auf die gefährliche Überfahrt begaben. Wasserflaschen, Kuscheltiere, Kinderschmuck. Eine Seite aus einem Malbuch: Ein Flüchtlingskind hatte offensichtlich zum Zeitvertreib ein Bild von Arielle der Meerjungfrau ausgemalt.

 

Nach diesen beiden Vorträgen beschließe ich, selber zu einem Berliner Pecha Kucha Event zu gehen. Ein Erfahrungsbericht wird folgen!

 

Fazit: Das Format funktioniert, wenn es bei einem passenden Vortragsthema eingesetzt wird. Bei efellows.net findest du weitere Informationen zu Pecha Kucha.

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