Zwei Ansätze, mit denen eine Spontanrede gelingt

Eine Rede komplett ohne Vorbereitung zu halten ist eine Furcht einflößende Vorstellung. Redner haben Angst vor einem Blackout – vor der Blamage, dass ihnen nichts einfällt und sie kein Wort herausbekommen. Dabei kann jeder lernen, Spontanreden zu halten.
 
Spontane Reden – auch Stegreifreden genannt – eignen sich speziell für private Anlässe, bei denen die transportierten Emotionen wichtiger als der Redeinhalt sind. Beispielsweise Hochzeiten, Geburtstage und Vereinsfeiern. Und ein Trinkspruch ist letztlich auch eine Stegreifrede.

Ich stelle in diesem Beitrag zwei Ansätze vor, mit denen es einfach ist, gute Spontanreden zu halten.

1. Ungefiltert sagen, was man denkt

Das klingt erst einmal gefährlich. Doch einfach zu sagen, was einem in den Sinn kommt, ist die beste Waffe gegen Sprachlosigkeit. Blockaden entstehen, wenn wir nach Perfektion streben und deshalb unsere Gedanken bewerten und sortieren. Dabei geht jegliche Unbeschwertheit verloren. Ungefilterte Spontanreden sind unglaublich authentisch und kommen in der Regel gut beim Publikum an.
Redner, die diesen Ansatz verwenden, sind übrigens des Öfteren unfreiwillig komisch. Das liegt in der Natur der Sache – manchmal sind die eigenen Gedanken einfach amüsant; und das ist in der Regel sympathisch und sollte nicht unterdrückt werden.
 
Praxisbeispiel:

Stellen wir uns vor, dein Freund Kai eröffnet einen Weinladen bei dir um die Ecke. Du bist bei der Eröffnungsparty und hältst spontan eine kurze Rede, um den Anlass zu würdigen. Wenn du den ungefilterten Ansatz verfolgst, könnte sich die Spontanrede so anhören:

Ich bin gerade total nervös, da ich solche Situationen nicht gewohnt bin. Ich habe auch Angst, dass mir nichts Gescheites einfällt. Aber ich lege einfach mal los. Ich freue mich, dass in meiner Straße endlich ein Weinladen eröffnet hat. Ich liebe guten Wein und habe immer einige Flaschen im Keller. Und natürlich freut es mich besonders, dass du, lieber Kai, der Besitzer dieses Ladens bist…Ich freue mich, dass du hier bist und wünsche dir mit deinem Laden viel Erfolg.

Der Redner trägt seine Gefühle und Ängste ungefiltert nach außen. Je nach Person würde sich diese Rede sicherlich deutlich unterscheiden.

2. Eine Struktur verinnerlichen, die bei jeder Spontanrede funktioniert

Den strukturierten Ansatz habe ich bei einem Workshop des Redeklubs „Toastmasters“ kennengelernt. Dabei beantwortest du mit deiner Spontanrede drei einfache Fragen:
 
• Wie betrifft mich das Thema in der Gegenwart?
• Wie betrifft mich das Thema in der Vergangenheit?
• Wie betrifft mich das Thema in der Zukunft?
 
Diese Struktur lässt sich leicht verinnerlichen und funktioniert bei fast jedem Thema. Ich habe diesen Ansatz mehrmals ausprobiert und war mit meinen Kurzvorträgen zufrieden. Wenn du ein Thema spontan aus drei zeitlichen Blickwinkeln betrachten kannst, wird dir möglicherweise ein Talent für Stegreifreden nachgesagt.
 
Übrigens habe ich in einem Beitrag gelesen, dass in Spontanreden zuerst auf die Vergangenheit eingegangen werden sollte. Ein Start mit der Gegenwart hat jedoch den Vorteil, dass der aktuelle Rahmen für das Thema gesetzt wird. So wird es zumeist auch in Talkshows gemacht. In demselben Beitrag wird empfohlen, 85 Prozent über die Vergangenheit, zehn Prozent über die Gegenwart und fünf Prozent über die Zukunft zu sprechen. Ich finde diese Sichtweise interessant, denke aber nicht, dass man den Schwerpunkt auf die Vergangenheit legen muss. Wenn zum Beispiel ein neuer Laden eröffnet wird, ist die Zukunft ein spannenderes Gesprächsthema.
 
Praxisbeispiel:

So könnte deine Rede klingen, wenn du den strukturierten Ansatz einsetzt.Ich habe die Wörter, die auf die Zeitform hinweisen, hervorgehoben (Gegenwart – Vergangenheit – Zukunft).

„Ich freue mich sehr, dass ich ab sofort direkt in meiner Nachbarschaft guten Wein kaufen kann. Und das bei dir, lieber Kai. Als dein langjähriger guter Freund weiß ich, dass du dich blendend mit Wein auskennst.
Ich erinnere mich noch genau, wie du mir vor etwa 25 Jahren, als wir beide noch Kinder waren, erzählt hast, dass du irgendwann deinen eigenen Laden eröffnen willst. Ich freue mich, dass sich dein Wunsch nun erfüllt hat.
Ich wünsche dir, dass dein Laden floriert und bin mir sicher, dass du in den nächsten Monaten viele zufriedene Kunden gewinnen wirst. Ich wünsche dir viel Erfolg.“

Welcher Ansatz ist besser?

Möglicherweise ist der strukturierte Ansatz besser geeignet, wenn du im beruflichen Kontext eine Spontanrede hältst. Ungefiltert alles sagen, was man denkt – im Job sicher kein guter Ratgeber.
 
Letztlich muss jeder für sich selbst herausfinden, welcher Ansatz besser passt. Ich vermute, dass die Präferenz stark von der Persönlichkeit abhängt. Manche Menschen brauchen Struktur – anderen ist sie ein Graus. Ich selbst werde als strukturierter Typ bezeichnet und bevorzuge dementsprechend den zweiten Ansatz. Ich kann mir vorstellen, dass weniger strukturiert denkende Menschen den „ungefilterten Ansatz“ präferieren. Um dies herauszufinden, empfehle ich dir, beide Ansätze bei nächster Gelegenheit auszuprobieren.

Zusammengefasst:
  • Meistere deine Spontanrede mit dem „ungefilterten“ oder „strukturierten“ Ansatz.
  • „Ungefiltert“: Du verzichtest auf eine Bewertung deiner Gedanken und sagst, was dir zum Redethema in den Kopf kommt.
  •  „Strukturiert“: Du beantwortest, wie dich das Thema in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft betrifft.
  •  Finde heraus, welcher Ansatz zu dir passt.
  • Im beruflichen Umfeld würde ich den strukturierten Ansatz bevorzugen.

Foto: ©Fotolia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.